Convenience, Multichannel und starke Marken haben im Einzelhandel Zukunft

Tom Garrecht
Teilnehmer des Innovationswettbewerbs der Rid Stiftung
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Die Fachjury wählte aus insgesamt 100 Einreichungen die fünf besten aus. Die beiden vorgenannten Start-ups machten schließlich das Rennen und wurden für ihre Ideen als Sieger mit einem Preisgeld von jeweils 10.000 EUR ausgezeichnet. Robert Hein, CEO und Co-Founder von Loclet, gab sich schon vor der Preisverleihung überzeugt: „Unsere Vision: Wir möchten mit Loclet die weltweit größte ortsbasierte Quiz-Community aufbauen.“ Während Loclet mit seiner Online Quiz-Community via App zur Belebung der Innenstädte und des Einzelhandels vor Ort beitragen möchte, soll der Einzelhändler mit dem Analyse-System von Metriko das Einkaufsverhalten seiner Kunden automatisiert erfassen und so besser verstehen und bewerten. „Wir möchten den Händlern ein Werkzeug an die Hand geben, welches die geschäftliche Realität fortwährend und kostengünstig abbildet, sodass Optimierungspotenziale besser erkannt und Ressourcen effizienter genutzt werden können. Wir möchten die Welt datengetrieben verbessern“, so Tobias Wolff, Geschäftsführer von Metriko.

Und welche Trends gab es auf dem diesjährigen Zukunftskongress noch? Feststeht: Ob off- oder online – der selektive Online-Shopper ist auf dem Vormarsch und bestimmt über Wohl und Wehe und die Zukunft des Einzelhandels. Dieser kauft bestimmte Produkte wie etwa Bücher oder CDs gerne im Internet. Für andere Sachen geht der selektive Online-Shopper lieber in ein Geschäft. Dort schaut er sich die Ware vor dem Kauf an. Beim sogenannten ROPO-Effekt – research online, purchase offline, informieren sich die Kunden hingegen vor jedem Einkaufsbummel zunehmend online über Waren, bevor sie diese vor Ort kaufen. Ferner gibt es ebenso Käufer, die sich zunächst im stationären Einzelhandel informieren und beraten lassen und die Waren dann aber doch im Webshop erwerben möchten.

Aus diesem Grund waren sich Vertreter aus Handel, Besucher und Meinungsmacher des diesjährigen Zukunftskongresses einig, dass für viele Einzelhändler zunehmend beides wichtig sei: Also off- und online präsent zu sein. Überdies sollte das Einkaufserlebnis für den Verbraucher am stationären POS durch gute Beratung, Marke, moderne Veranstaltungskonzepte, Multisensorik und digitale Elemente, wie etwa QR-Codes oder Augmented Reality, erhöht werden. „Flexible, relevante und unterhaltende Formate entlang der Customer Journey bestimmen den Handel der Zukunft“, erläuterte Kai Hudetz vom Institut für Handelsforschung in Köln und Keynote-Speaker des Zukunftskongresses. Fakt ist aber auch: E-Commerce ficht das nicht an. Und das gilt auch für die Nische! Ein gutes Beispiel hierfür ist der Online-Händler Bergzeit.de. Dieser bietet nach eigenen Angaben aktuell mehr als 50.000 Artikel von 600 Outdoor-Marken aus aller Welt zum Thema Bergsport an. Zwei stationäre Filialen in Holzkirchen und Gmund-Moosrain unterstützen mittlerweile sogar das Onlinegeschäft.

Fazit: Die größten Profiteure im Bereich E-Commerce sind klar die Multichannelhändler. 4,3 Mrd. EUR und damit 35% des Branchenumsatzes wurden, laut dem Bundesverband für E-Commerce und Versandhandel, von Händlern generiert, die ihre Kunden auf mehreren Kanälen ansprechen (2014: 3,7 Mrd. EUR; 33%). „Der Kuchen wird nicht größer. Es wird schwerer mit Handel Geld zu verdienen“, so Hudetz und fährt fort: „Innenstädte sind bei Alt und Jung gleich beliebt. Auch kleinere Städte, wie Bietigheim-Bissingen oder Freyung, können für den Handel, nach wie vor attraktive Standorte sein. Viele Einzelhändler müssen sich nur neu erfinden.“