Valeo übernimmt deutsches Start-up gestigon

Valeo übernimmt alle Anteile des 3D-Softwareentwicklers gestigon vom HTGF, der MGB Schleswig-Holstein und der Kuenheim Familiars GmbH.
Valeo übernimmt alle Anteile des 3D-Softwareentwicklers gestigon vom HTGF, der MGB Schleswig-Holstein und der Kuenheim Familiars GmbH.
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Der französische Automobilzulieferer Valeo übernimmt alle Anteile des Softwareentwicklers gestigon GmbH von den Investoren High-Tech Gründerfonds, der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Schleswig-Holstein, Vorwerk Direct Selling Ventures und der privaten Investmentgesellschaft Kuenheim Familiars GmbH. Das Start-up aus Lübeck entwickelt eine Bildverarbeitungssoftware, die Gesten beim Autofahren erkennen kann und beim automatisierten Fahren eingesetzt werden soll.

Das Lübecker Start-up gestigon entwickelt Lösungen für die Gestenerkennung und -steuerung auf der Basis von 3D-Kameras. Die Software ist für Embedded Systeme geeignet und weist nach Angaben des Unternehmens in allen relevanten Parameter deutlich bessere Performance-Werte bei Speicherbedarf, Prozessorauslastung und Latenz auf als vergleichbare Lösungen.

Die Bildverarbeitungssoftware eignet sich laut des Start-ups besonders gut für alle mobilen Anwendungen, zum Beispiel Mobiltelefone, Tablets, Fernbedienungen, Navigations- und Assistenzsysteme, aber auch Automotive, PCs, Gaming, Digital Signage oder MedTech. gestigon liefert dazu als eine „Enabling Technology“ eine echte Skeletterkennung, sowohl für den gesamten Körper, als auch für Hände und einzelne Finger. Das Skelett wird durch eine drei-dimensionale Topologie mathematisch beschrieben, wodurch sich die Bewegungen der Knotenpunkte im Raum als eine Geste definieren lassen und dann beliebigen Aktionen in einer Anwendung zugeordenet werden können. So sollen sich etwa Navigationssysteme oder andere Programme ohne Berührung steuern lassen. Besonders wertvoll ist die Technologie aber für die Weiterentwicklung von Fahrsicherheits- und Assistenzsystemen. Die Software, die mit Kamerasystemen im und um das Fahrzeug gekoppelt ist, soll feststellen können, wenn der Fahrer müde wird. Dann könnte sich z.B. das Licht in der Fahrerkabine oder die Temperatur automatisch ändern. Auch kritische Fahrsituationen sollen früh erkannt werden, so dass ein Airbag zum optimalen Zeitpunkt ausgelöst werden kann – Bruchteile von Sekunden vor einem Aufprall.

Die gestigon GmbH wurde 2011 als Ausgründung aus der Universität Lübeck, Institut für Neuro- und Bioinformatik, von Sascha Klement, Prof. Dr. Erhardt Barth und Prof. Dr. Thomas Martinetz gegründet. 2012 wurde das Team von Moritz von Grotthuss als geschäftsführenden Gesellschafter vervollständigt. Das Start-up hat nach eigenen Angaben bereits zahlreiche Wettbewerbe gewonnen, unter anderem IKT Innovativ sowie den Weconomy Award des Handelsblatts, und konnte seine Lösung in einer Reihe von relevanten Konferenzen präsentieren. Gefördert wurden die Lübecker durch EXIST Forschungstransfer Phase 2, das BAWA sowie die WTSH.

Für Valeo ist es bereits das vierte Investment in Deutschland in nur zwölf Monaten. Nach FTE Automotive, Peiker und Spheros wollen die Franzosen mit der Übernahme des Lübecker Start-ups den Bereich Mensch-Maschine-Schnittstellen stärken. Die Übernahme von gestigon erlaubt es dem Automobilzulieferer nach eigenen Angaben, zentrale Elementen im schnell wachsenden Bereich der Innenraumkameras und Bildverarbeitung auszubauen. Der neue Besitzer will das Start-up als Teil seiner Comfort and Driving Assistance Business Group weiterführen und die Technologie nutzen, um die Mensch-Maschine-Schnittstellen für die Entwicklung des automatisierten Fahrens weiter zu entwickeln. Zu Beginn soll der Fokus laut des französischen Konzerns auf der Innenraumüberwachung liegen.

Im Januar 2013 waren der High-Tech Gründerfonds sowie die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Schleswig-Holstein mit einer Seedfinanzierung in das Start-up eingestiegen. Im Rahmen der Series A-Finanzierungsrunde im Dezember 2014 hatte das junge Softwareunternehmen siebenstelligen Betrag von den beiden Investoren der ersten Finanzierungsrunde, dem HTGF, der MBG Schleswig-Holstein und einem weiteren Gründungsgesellschafter sowie drei neuen Business Angels erhalten. Im Juli 2015 hatte das Lübecker Unternehmen die dritte Finanzierungsrunde abgeschlossen. Die nbr technology ventures GmbH als Leadinvestor, Vorwerk Direct Selling Ventures und der High-Tech Gründerfonds hatten gemeinsam einen mittleren siebenstelligen Betrag zu Verfügung gestellt.

Hinter nbr technology ventures GmbH stehen eine Reihe von Privatinvestoren, unter anderem die Kuenheim Familiars GmbH, die private Investmentgesellschaft der Familie von Fabian von Kuenheim, dem ehemaligen Aktionär und Vorstand der Magirus AG. Das Family Office investiert in High-Tech Unternehmen und ist bereits im Bereich Connected Car aktiv. So hatte sich der Investor Anfang 2016 zusammen mit der IBB Beteiligungsgesellschaft und einigen Business Angesls mit einem siebenstelligen Betrag  am Berliner Software-Start-up High-Mobility beteiligt, das mittels einer Softwareplattform vernetzte Autos mit der Umgebung vernetzen will.

gestigon GmbH   Lübeck
Tätigkeitsfeld:
Software
Investoren: High-Tech Gründerfonds Management GmbH, MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Schleswig-Holstein mbH, nbr technology ventures GmbH, Vorwerk Direct Selling Ventures GmbH
Volumen: nicht veröffentlicht (Trade Sale)