„Wir brauchen den globalen Wettbewerb“

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VC Magazin: Ab welchem Zeitpunkt sollten Start-ups einen Investmentbanker zurate ziehen?
Thümmler: Das hat sich in den letzten Jahren etwas verändert. Früher war es durchaus üblich, dass Start-ups bereits in der Early Stage-Phase oder auch schon in der Series A mit Investmentbanken zusammengearbeitet haben. Heute gibt es das kaum noch und wird meiner Meinung nach auch von den Venture Capital-Investoren nicht gerne gesehen. Die Kapitalgeber erwarten vielmehr, dass die Gründer die erste Finanzierungsrunde selbst bewerkstelligen und daran auch wachsen. Ab der B-Runde ist es dann durchaus ratsam, eine Investmentbank ins Boot zu holen. Dort hat man meist schon ein differenziertes Cap Table, bei dem unter Umständen ein oder zwei Gründer bereits wieder ausgeschieden sind oder einige Business Angels ihre Anteile verkaufen wollen. In diesen Fällen geht es dann nicht mehr nur noch darum, Kapital ins Unternehmen zu holen, sondern auch um gezielte Secondary-Investments, die das Cap Table bereinigen.

VC Magazin: Wie gut sind deutsche Gründer heute auf die Zusammenarbeit mit M&A-Beratern oder Investmentbankern vorbereitet?
Thümmler: Wer wirklich relativ fit ist, sind die Serial Entrepreneure. Sie haben bereits Erfahrungen gemacht und gehen den Prozess recht professionell an. Gründer, die zum ersten Mal ein Start-up aufbauen, sind heute in der Theorie besser vorbereitet als früher. Man hat den Eindruck, dass an unseren Universitäten oder Entrepreneurship-Lehrstühlen gezielt darauf hingearbeitet wird, die Gründer dafür zu sensibilisieren. Ohne Zweifel werden sie motiviert, Unternehmen zu gründen, und bekommen einiges an die Hand, beispielsweise wie man Märkte erobert, Kundengruppen ins Visier nimmt oder innovative Produkte umsetzt. Wie man erfolgreich Finanzierungen in der Praxis einwirbt, ist eher ein Thema der Erfahrung.

VC Magazin: Wo sehen Sie im technologischen Bereich Trends, nach denen Käufer suchen?
Thümmler: Nach wie vor steht das Thema Software stark im Vordergrund. Dabei auch der Software as a Service-Bereich. Ein riesiger Markt, der noch in den Kinderschuhen steckt, sich aber stark entwickelt, ist Online Education. Ein Dauerbrenner mit all seinen Ausprägungen ist Fintech, denn die großen Finanzkonzerne, -dienstleister und Banken sind alle mit sich selbst beschäftigt – und das nicht immer unbedingt in einer produktiven Art und Weise. Das führt zu sehr großen Marktchancen für Fintechs. Ein weiteres Feld ist künstliche Intelligenz, die ja auch vonseiten der Politik hierzulande zuletzt starke Aufmerksamkeit erhalten hat.

VC Magazin: Herr Thümmler, vielen Dank für das Interview.

 

Andreas Thümmler hat mit Corporate Finance Partners eine der ersten Tech-M&A-Boutiquen in Deutschland gegründet. Seit 2015, nach dem Merger von CFP und Acxit, ist er Managing Partner von Acxit Capital Partners und steht in dieser Position der Tech-Practice vor. Thümmler hat mehr als 200 Transaktionen im Techbereich begleitet.