Fördermittel: ein (ge)wichtiges Finanzierungsinstrument

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Für Existenzgründer und Start-ups bilden Fördermittel des Bundes oder der Länder häufig ein wichtiges Fundament beim Aufbau des eigenen Unternehmens. Gerade in Corona-Zeiten stellen staatliche Institutionen weitere Gelder zur Verfügung. Zuweilen scheuen Unternehmen einen eventuellen bürokratischen Aufwand und nehmen Hilfen daher nicht in Anspruch – zu Unrecht.

Es existieren verschiedene Optionen, finanzielle Förderungen in Anspruch zu nehmen. Sie unterschieden sich nach der Größe des Unternehmens oder nach der jeweiligen Ausrichtung. Auch bestehen regionale Unterschiede. Fakt ist: Ohne einen entsprechenden finanziellen Hintergrund kann sich der Traum von der unternehmerischen Selbstständigkeit schnell zu einem Alptraum entwickeln. Doch bevor man sich vorschnell und übereilt an private Wagniskapitalinvestoren wendet, bieten sich Gründern und Start-ups andere Möglichkeiten. Die Palette reicht von Bürgschaften und Krediten bis zu Beteiligungen, Zuschüssen und Beratungsförderung.

Programme werden angepasst

Christoph Büth, NRW.Bank

„Start-ups können in Deutschland von vielen verschiedenen Fördermitteln profitieren. Das beginnt mit zinsgünstigen Förderdarlehen, die lange Laufzeiten und häufig eine tilgungsfreie Anlaufphase beinhalten, und reicht über Eigenkapitalfinanzierungen bis hin zu Bürgschaften und nicht-rückzahlbaren Zuschüssen“, erklärt Christoph Büth von der NRW.Bank, die Gründer und Start-ups wettbewerbsneutral und anbieterunabhängig zu allen Förderprogrammen auf EU-, Bundes- und Landesebene berät. Das eigene Förderangebot reicht von zinsgünstigen Darlehen wie dem NRW.Bank.Gründungskredit bis hin zu Beteiligungen über den bankeigenen Venture-Fonds. „Für kurzfristige Liquidität haben wir das Corona-Programm NRW.Start-up akut ins Leben gerufen“, so Büth. Des Weiteren können Start-ups, die durch ein Crowdfunding bereits eine finanzielle Grundlage für ihr Vorhaben gesammelt haben, seit Kurzem von dem Programm NRW.MicroCrowd profitieren. „Die NRW.Bank hat im Jahr 2019 insgesamt 10,3 Mrd. EUR an Fördermitteln an Wirtschaft, Kommunen und Menschen in NRW neu vergeben, davon 795,5 Mio. EUR für Gründungs- und Innovationsvorhaben“, erklärt Büth. Im Rahmen ihres Beteiligungsengagements wurden 43,2 Mio. EUR neu investiert. Aktuell registriere die Bank zudem eine starke Nachfrage, insbesondere für das Programm NRW.Start-up akut, welches sich an junge technologieorientierte Start-ups richtet, die von der Corona-Krise betroffen sind. Über das Programm können Start-ups bis zu 200.000 EUR über eine Laufzeit von sechs Jahren abrufen. Die Finanzierung in Form eines Wandeldarlehens ist endfällig sowie unbesichert und gilt dadurch als eigenkapitalstärkendes Instrument. „Das Unternehmen wird in der akuten Krise nicht durch vorzeitige Zins- und Tilgungszahlungen belastet, hat aber andererseits jederzeit die Möglichkeit der vorzeitigen kostenfreien Rückzahlung“, erläutert Büth. Und die NRW.Bank habe die Option, es bei Eintritt eines Investors in Geschäftsanteile zu wandeln. Über NRW.Start-up akut konnte die Bank bis Mitte Oktober bereits 69 Start-ups aus NRW eine Förderung zusagen – insgesamt mehr als 15 Mio. EUR. Darunter seien Unternehmen aus so perspektivreichen Zukunftsbranchen wie Agrotechnik, IT-Security und Medizintechnik, so Büth: „Fördernehmer berichten, dass ihnen das Darlehen ermöglicht hat, trotz wegbrechender Aufträge in der Pandemie weiter an ihren innovativen Produkten zu arbeiten.“ Anpassungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie fanden auch beim Programm NRW.SeedCap, beim NRW.Bank.VentureFonds sowie beim NRW.Bank.Universalkredit und dem NRW.Bank.Digitalisierungskredit statt.

Innovationsfinanzierung läuft hervorragend

Edith Weymayr, L-Bank

Auch Edith Weymayr, Vorsitzende des Vorstands der L-Bank in Baden-Württemberg, sieht die Vergabe von Fördermitteln weiterhin auf einem guten Weg. „Wichtig für Baden-Württemberg ist es, dass die Dynamik der Wirtschaft erhalten bleibt – ob durch Innovationen in den bestehenden – mittelständischen – Unternehmen oder durch Start-ups mit neuen Ideen ist dabei zweitrangig. Für uns ist Start-up-Förderung letztlich ein Teil der Innovationsförderung“, unterstreicht sie. In Summe betrug das Fördervolumen der L-Bank im Jahr 2019 rund 3,3 Mrd. EUR für Gründung und Mittelstand. Davon kamen 644 Mio. EUR den Gründern zugute. „In dieser Größenordnung werden wir uns in den traditionellen Programmen der Förderung von Existenzgründern und des Mittelstandes auch im Jahr 2020 bewegen“, so Weymayr. Im Corona-Jahr 2020 bewege man sich in der Existenzgründungsfinanzierung nach neun Monaten mit einem Fördervolumen von 470 Mio. EUR genau auf dem Niveau des überdurchschnittlichen Jahrs 2019. Dabei handele es sich, so Weymayr, um die Gesamtsumme der Förderung durch die Programme Startfinanzierung 80, Gründungsfinanzierung und Start-up BW Pre-Seed. Auch im Bereich der Mittelstandsförderung laufen Programme wie etwa „Innovationsfinanzierung 4.0“ nach Aussage der L-Bank hervorragend. „Mit einem Fördervolumen von rund 350 Mio. EUR haben wir das Vorjahr deutlich übertroffen“, bekräftigt die L-Bank-Vorsitzende. Mit dem aktuell anlaufenden Programm „Digitalisierungsprämie Plus“ wolle man darüber hinaus einen wichtigen Beitrag zum laufenden Strukturwandel und der digitalen Transformation der Wirtschaft in der Region leisten. Als erstes Bundesland und noch vor dem Bund hatte Baden-Württemberg bereits im April ein Sonderprogramm explizit für Start-ups aufgesetzt, das im Verbund mit dem Pre-Seed-Programm nach Aussagen der Bank ausgezeichnet greift und wirkt. Das Wirtschaftsministerium unterstützt von der Corona-Krise betroffene Start-ups mit dem Förderprogramm „Start-up BW Pro-Tect“, einer Ausweitung der Frühphasenförderung „Start-up BW Pre-Seed“. Das Programm richtet sich an Start-ups, welche schon die erste Phase hinter sich haben, aber aufgrund der Pandemie in Schwierigkeiten geraten sind – vorausgesetzt, sie sind nicht älter als fünf Jahre. Ziel des Förderprogramms ist es, kurzfristige Liquiditätsengpässe bis zur nächsten Finanzierungsrunde zu überbrücken. So können die Start-ups einen rückzahlbaren Zuschuss in Höhe von bis zu 200.000 EUR bei den Pre-Seed-Partnern des Wirtschaftsministeriums beantragen. Am 15.09.2020 ging darüber hinaus das Mezzanin-BW-Programm des Bundes und des Landes (Säule II) an den Start, bei dem die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft (MBG) Baden-Württemberg als einer der Intermediäre gegenüber der L-Bank fungiert. Die MBG als Pilotpartner der L-Bank hat bereits über 50 Anfragen von Start-ups und kleinen Mittelständlern erhalten; aktuell wurden erste Zusagen ausgesprochen.

Umsätze konnten nicht realisiert werden

Mike Walber, ISB

Die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) hat 2019 Beteiligungen in Höhe von 10,4 Mio. EUR abgeschlossen. „In den letzten Jahren stellen wir eine anhaltend hohe Nachfrage nach Beteiligungskapital seitens der Start-ups fest“, sagt Mike Walber, Leiter Venture Capital, Beteiligungen der ISB. „Die Fördermittel spielen eine große Rolle, da in der Frühphase der Unternehmen private Investoren selten das Risiko eingehen“, so Walber weiter. Während der Corona-Pandemie kam, wie in ganz Deutschland, schließlich das Sonderprogramm Corona Venture Capital aus dem KfW-Programm (Säule zwei) hinzu. Diese Mittel seien für die Start-up-Szene überaus wichtig. „Unsere Portfoliounternehmen bekamen zu Beginn der Pandemie die wirtschaftlichen Auswirkungen nicht in vollem Umfang zu spüren, da sie eigenkapitalfinanziert waren. Im späteren Verlauf des Jahres 2020 haben sich die Auswirkungen jedoch negativ verstärkt, da geplante Umsätze nicht realisiert werden konnten, Probleme mit Lieferanten auftraten oder geplante Folgefinanzierungen nicht umgesetzt wurden, da sich Investoren zurückgezogen haben“, erklärt Walber weiter.

Fazit

Auch in und gerade bedingt durch Corona bestehen vielfältige Fördermöglichkeiten für Existenzgründer, Start-ups und kleine Mittelständler. Die Fördertöpfe sind gefüllt – Hilfesuchende müssen sie nur in Anspruch nehmen.