„Unser Life Science-Portfolio ist viel­fältiger und facettenreicher geworden“

Interview mit Dr. Thomas Raueiser, Senior Investment Manager für Life Sciences & Cleantech, NRW.Bank

„Unser Life Science-Portfolio ist viel­fältiger und facettenreicher geworden“ - Interview mit Dr. Thomas Raueiser, Senior Investment Manager für Life Sciences & Cleantech, NRW.Bank
„Unser Life Science-Portfolio ist viel­fältiger und facettenreicher geworden“ - Interview mit Dr. Thomas Raueiser, Senior Investment Manager für Life Sciences & Cleantech, NRW.Bank
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Bildnachweis: © VentureCapital Magazin.

Dr. Thomas Raueiser, Senior Investment Manager für Life Sciences & Cleantech bei der NRW.Bank, berichtet im Gespräch über die lange Geschichte der Life Sciences Investments bei der NRW.Bank, welchen Einfluss die Corona-Pandemie hat und welche Lichtblicke er für die aktuelle Zeit sieht.

VC Magazin: Die NRW.BANK investiert seit rund 15 Jahren in Life Sciences. Wie hat sich die Life-Sciences-Finanzierung seither verändert?
Dr. Thomas Raueiser: Kaum eine andere Branche ist so von Innovation geprägt wie die Life-­Sciences-Industrie. Der Stellenwert der Life-Sciences-Finanzierung im Venture-Capital-Bereich der NRW.BANK ist entsprechend hoch. Das hat sich natürlich auch über die Jahre weiterentwickelt. Seitdem wir speziell im Life-Sciences-Bereich als Kapitalgeber unterwegs sind, ist nicht nur die Anzahl der Neuinvestments gestiegen – auch die Teilnahmen an Folgerunden bis hin zum erfolgreichen Exit haben ­zugenommen. Das gesamte Investment­geschäft in der NRW.BANK ist mittlerweile deutlich professioneller und marktorientierter geworden. Hierzu haben nicht ­zuletzt erfolgreiche Exit-Fälle wie Direvo, Rigontec und Scienion beigetragen, an ­denen auch die NRW.BANK beteiligt war.

VC Magazin: Wie haben sich Portfolio, Fokus und Netzwerk entwickelt?
Dr. Thomas Raueiser: Das Life-Sciences-Portfolio der NRW.BANK ist über die Zeit immer vielfältiger und ­facettenreicher geworden. Das Spektrum unserer Beteiligungen reicht mittlerweile von klassischen Wirkstoffentwicklungen über Medizintechnikhersteller bis hin zu Digital Health-Projekten. Wir haben den Vorteil, dass Nordrhein-Westfalen über eine sehr breite, wissenschaftliche Forschungs- und Entwicklungslandschaft verfügt. Wichtige Innovationstreiber sind zum Beispiel auch die vielen klinischen ­Institute in NRW, die zu den unterschiedlichsten Themenschwerpunkten forschen und arbeiten – und das oftmals sehr interdisziplinär. Das alles macht NRW zu einem starken Life-Sciences-Standort, der immer wieder neue Technologieansätze und ­viele spannende Gründungen hervorbringt. Auch vor diesem Hintergrund ist es der NRW.BANK in den vergangenen 15 Jahren gelungen, im Life-Sciences-Sektor ein umfassendes Netzwerk zu sehr professionell operierenden Privatinvestoren aufzubauen.

VC Magazin: Was zeichnet dieses Netzwerk besonders aus?
Dr. Thomas Raueiser: Die Privatinvestoren, mit denen wir ­kooperieren, sind sowohl in Deutschland als auch in den europäischen Nachbarländern angesiedelt. Die Zusammenarbeit mit ihnen ist oftmals sehr intensiv – mit dem Effekt, dass die Finanzierungsrunden immer größer werden und sich häufig schon im Bereich zwischen 10 Mio. und 15 Mio. EUR bewegen. Eine gute Entwicklung, denn so ist es trotz der Auswirkungen, die Corona zweifelsohne auch auf das Investmentgeschehen im Life-Sciences-­Bereich hat, jetzt auch wieder möglich, ­kapitalintensivere Life-Sciences-Fälle mit Venture Capital auszustatten.

VC Magazin: Welchen Einfluss hat Corona auf die Life-Sciences-Finanzierungen und das Preis­niveau?
Dr. Thomas Raueiser: Einige unserer Portfoliounternehmen mussten sich vor allem zu Beginn der ­Pandemie zunächst organisatorisch, aber später auch finanziell auf neue Heraus­forderungen einstellen. So standen etwa Kliniken vor der Aufgabe, planbare Operationen möglichst zu verschieben. Andere Unternehmen aus dem Life-Sciences-­Bereich mussten sich mit Verzögerungen bei der klinischen Testung von medizinischen Geräten und Wirkstoffkandidaten auseinandersetzen. Viele dieser Unternehmen haben sich hiervon im Laufe der Pandemie bereits gut erholt und zeigen mittlerweile eine Überperformance. Einige ­haben durch vereinfachte Verfahren im ­regulatorischen Bereich sogar beschleunigte Marktzulassungen erreicht. Wir ­beobachten, dass große Medtech- und Pharmaunternehmen ebenfalls gut durch die Pandemie gekommen sind. Sie ver­fügen häufig über eine hohe Kapitalausstattung oder haben es geschafft, sich bei ­zwischenzeitlich auftretenden finanziellen Engpässen über die Kapitalmärkte mit ausreichenden Mitteln zu versorgen. ­Diese ­Unternehmen halten jetzt wieder vermehrt Ausschau nach neuen Technolo­gien und spannenden, jungen Start-ups. Das kurbelt das M&A-Geschehen wieder an und wirkt sich positiv auf das Prei­sniveau aus.

VC Magazin: Die Corona-Pandemie ist noch nicht zu Ende und wird auch die Venture-Capital-Szene weiter in Atem halten. Gibt es Lichtblicke?
Dr. Thomas Raueiser: Absolut. Gerade jetzt in der Corona-­Pandemie hat sich gezeigt, wie viel Potenzial in der deutschen Life-Sciences-Branche steckt, wie sie mit ihren Innovationen zum Wohle der Gesellschaft beitragen kann und vor allem auch, wie effizient und schnell sie in der Lage ist, Lösungen für neue Anforderungen im Gesundheits­wesen zu entwickeln. Was uns bei der NRW.BANK besonders freut: In unserem Life-Sciences-Portfolio befinden sich einige Unternehmen, die in der COVID-19-Pandemie Lösungen für den akuten Bedarf etwa in der Beatmungstechnik, in der Diag­nostik und für Testverfahren liefern ­konnten.

Herr Dr. Raueiser, vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Mathias Renz.

Zum Interviewpartner:
Dr. Thomas Raueiser ist Senior Investment Manager für Life Sciences & Cleantech bei der NRW.Bank.