German Venture Capital Barometer: Erwartungen optimistisch

Rückschlag beim Exitklima

German Venture Capital Barometer für 4. Quartal 2023 veröffentlicht
German Venture Capital Barometer für 4. Quartal 2023 veröffentlicht

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Das Venture Capital-Geschäftsklima ist im letzten Quartal 2023 wieder leicht eingebrochen, wie das German Venture Capital Barometer von Bundesverband Beteiligungskapital (BVK), KfW und Deutsche Börse Venture Network zeigt. Dennoch: Trotz des Rückgangs sind die Geschäftserwartungen deutlich positiver als die aktuelle Geschäftslage. 

Auch zum Ende des letzten Jahres blieb die Stimmung unter den Wagniskapitalgebern getrübt, wenngleich sie höher war als nach dem zinsbedingten Einbruch bis Ende 2022. Der Geschäftsklimaindikator des Frühphasensegments sank im vierten Quartal 2023 um 8,1 Zählern auf -27,4 Saldenpunkte. Der Indikator für die aktuelle Geschäftslage verliert 7,3 Zähler auf -39,2 Saldenpunkte, der Indikator für die Geschäftserwartungen fällt um 8,9 Zähler auf -15,5 Saldenpunkte. Das Fundraisingklima hingegen hat sich kaum verändert, die Stimmung bleibt weiter eisig bei -39,5 Saldenpunkten. Im zweiten Quartal hat sich allerdings eine größere Lücke zwischen der aktuellen Lage und den Erwartungen aufgetan,
da die Lagebeurteilung nochmals einknickte und die Erwartungen gleichzeitig deutlich optimistischer wurden – wenngleich sich die höheren Erwartungen bislang nicht erfüllt haben. Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW bewertet das vierte Quartal: „Die Erholung des Geschäftsklimas auf dem deutschen Venture Capital-Markt stagniert, die Investorenstimmung bleibt zum Jahresende 2023 somit unterkühlt“, sagt Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. „Der Krieg im Nahen Osten und die Sorge vor einer möglichen Eskalation hat die Erholung jedenfalls zeitweise belastet, das war zu erwarten. Ausgehend von ihrem zinswendebedingten Zwischentief hat sich die Investorenstimmung im Jahresverlauf aber deutlich verbessert. Die nach wie vor unterkühlte Stimmung ist Ausdruck einer großen Unzufriedenheit mit Fundraising und Exits. Investitionsseitig sieht es dagegen besser aus. Im Jahr 2023 wurde in Deutschland zwar deutlich weniger VC investiert als im Zuge des Booms 2021. Die Investitionen liegen aber auf dem Niveau der Jahre davor und somit höher als die Investorenstimmung vermuten lässt. Die gute Nachricht für Start-ups ist, dass sich die Investitionsbereitschaft der VC-Investoren für Neuengagements in den letzten beiden Quartalen bereits wieder aus ihrem Zwischentief befreit hat. Für Start-ups könnte der Zugang zu VC also leichter werden als er in den letzten gut eineinhalb Jahren war.“

Exitklima trist

Ein Grund für das eisige Fundraisingklima ist in den schwächelnden Exits zu finden. Die eher spärlichen Rückflüsse für Fondsinvestoren haben ausbleibende Reinvestitionen zur Folge. Enttäuschung gab es vor allem bei Exits via Secondaries und IPOs. Das IPO-Klima fiel in Richtung Allzeittief, obwohl Marktbeobachter erwartet hatten, dass sich im vierten Quartal das IPO-Fenster wieder öffnet. Trotz neuer Rekordstände an den Aktienmärkten wurden aber einige IPOs kurzfristig abgesagt oder verschoben. Die Investoren scheinen auch für dieses Jahr zunächst weiter von einer Börsenflaute auszugehen. Demgegenüber erholt sich die Stimmung hinsichtlich Exits via Tradesales. Das Akquisitionsklima legt
das fünfte Quartal in Folge zu. Gemessen an der Anzahl war 2023 dennoch ein gutes Jahr, mit ähnlich vielen Exits via Tradesales wie 2022. Hinsichtlich der Bewertungen wird ein abnehmender Preisdruck erwartet, demnach wären dann auch wieder Exits möglich. Nichtsdestotrotz belasten die geringen Bewertungen nach wie vor die Portfolios.

Investitionsbereitschaft nimmt zu

Gleichzeitig belastet das tendenziell steigende Bewertungsniveau bislang nicht die Einstiegsbewertungen, die Zufriedenheit liegt trotz leichtem Rückgang immer noch auf einem sehr hohen Niveau (+20,3). Demnach bewerten die Venture Capitalisten die Einstiegsbewertungen als günstig. Auch hat sich das Investitionsklima im Schlussquartal deutlich verbessert und liegt nun nur noch knapp unter seinem historischen Durchschnitt (-1,3). Zudem hat sich das Dealflowklima im vierten Quartal insgesamt verbessert. Die Indikatoren zur Höhe, Qualität und Innovativität des Dealflows konnten alle zulegen. Ulrike Hinrichs, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des BVK sagt zu den Ergebnissen: „Marktgeschehen und Stimmung der Venture Capital-Gesellschaften harren noch in Wartestellung“, fasst Ulrike Hinrichs, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des BVK, zusammen. „Einem nachhaltigen Stimmungsaufschwung stehen weiterhin die konjunkturellen und politischen Rahmenbedingungen im Weg. Exit-Situation und Fundraising-Umfeld sind weitere zentrale Hemmschuhe. Die erwarteten Zinssenkungen im laufenden Jahr könnten den Knoten jedoch zerschlagen. Das Bewertungsniveau für Neu-Investments ist attraktiv, die Nachfrage nach Kapital ist hoch. Hoffnung geben die zum Teil sehr großen Finanzierungsrunden um den Jahreswechsel herum. Sie zeigen die zunehmende Investitionsbereitschaft der VCs und die zurückkehrende Zuversicht.“