Biotech-Investments: 1,787 Mrd. EUR im letzten Jahr

Jahresende holt auf

Finanzierungen im Biotech-Segment 2020-2025 (c) BIO Deutschland/EY
Finanzierungen im Biotech-Segment 2020-2025 (c) BIO Deutschland/EY

Bildnachweis: BIO Deutschland/EY.

Im letzten Jahr sind die Eigenkapitalfinanzierungen im Biotech-Sektor mit 1,787 Mrd. EUR deutlich besser ausgefallen, als es sich nach den Zahlen des ersten Halbjahrs (H1: 337 Mio. EUR) zunächst abzeichnete. Dennoch liegt die Gesamtsumme rund 7 % unter dem Vorjahr (2024: 1,917 Mrd. EUR), wie BIO Deutschland und EY berichten.

Venture Capital-Segment 34% niedriger als im Vorjahr

Mit 593 Mio. EUR wurde 34 % weniger Venture Capital durch private Unternehmen eingeworben als 2024 (898 Mio. EUR). Börsennotierte Unternehmen sammelten 1,194 Mrd. EUR ein, ein Plus von 20 % im Vergleich zu 2024 (999 Mio. EUR). Rund 55 % der Gesamtsumme entfallen auf die Tubulis GmbH (344 Mio. EUR) und die QIAGEN N.V. (642 Mio. EUR). Dies geht aus einer Erhebung des Biotechnologie-Branchenverbands BIO Deutschland e. V. in Kooperation mit EY hervor. Roland Sackers, Vorstandsvorsitzender des BIO Deutschland, kommentiert: „Trotz eines schwierigen Finanzierungsumfelds und herausfordernder geopolitischer Rahmenbedingungen ist es unserer Branche wieder gelungen, mehr als 1,7 Mrd. Euro einzuwerben. Das ist ein positives Signal.“ Im letzten Jahr zeichneten sich zahlreiche Seed-Runden ab, die den Bereich stärken. „Schwächer ist hingegen leider die Wachstumsfinanzierung ausgefallen. Außer der Rekord-Serie C von Tubulis über 344 Mio. Euro gab es nur wenige, lediglich zweistellige Finanzierungsrunden. Umso wichtiger ist es jetzt, die Pläne der EU und der Bundesregierung für große Wachstumsfonds zügig umzusetzen. Biotechnologie ist eine Schlüsseltechnologie, wir sind eine Schlüsselbranche für Innovation, hochqualifizierte Arbeitsplätze und den Wohlstand Europas“, so Sackers weiter. Viola Bronsema, Geschäftsführerin des BIO Deutschland, ergänzt mit Blick auf die Politik: „Dennoch müssen die Rahmenbedingungen für die Finanzierung von Innovation dringend verbessert werden, wenn wir in Deutschland und der EU technologische Souveränität in der Biotechnologie erreichen möchten.“

Deutschland hinter Großbritannien und der Schweiz

In Großbritannien und der Schweiz konnten Biotechnologie-Unternehmen schon in den ersten drei Quartalen deutlich mehr Venture Capital auf sich vereinen als in Deutschland im gesamten Jahr. US-amerikanische Biotech-Unternehmen warben in den ersten neun Monaten über 14 Mrd. EUR Venture Capital ein. „Die Hightech Agenda Deutschland, der Scale-up Fonds der EU und viele andere skizzierte und geplante Maßnahmen insbesondere zum Bürokratieabbau müssen jetzt zügig umgesetzt werden, damit unsere Branche im internationalen Wettbewerb weiterhin bestehen kann“, weiß Bronsema. Klaus Ort, Partner bei EY und Leiter des Marktsegments Life Sciences & Gesundheitswesen, fügt hinzu: „Biotechnologie in Deutschland ist kein Nischenthema – sie ist ein ungenutzter Wachstumsmotor. Wer heute nicht investiert, wird morgen unsere eigene Wissenschaft möglicherweise teuer aus dem Ausland zurückkaufen. So mussten in der Vergangenheit bereits vielversprechende Firmen und Technologien aufgrund einer fehlenden Finanzierung an US-Investoren oder US-Unternehmen veräußert werden. Biotech sollte als einer der zukünftigen Wachstumstreiber für das Bruttosozialprodukt erachtet werden. Gemessen daran, wird hierzulande im Vergleich zu den USA, UK und Schweiz lediglich ein Viertel bis knapp die Hälfte an Risikokapital in Biotech-Firmen investiert. Gleichzeitig liegt Deutschland an der Spitze hinsichtlich der Besteuerung des Gewinns von Kapitalgesellschaften. Die Verbesserung von steuerrechtlichen Bedingungen im Kapitalsektor wäre damit zusätzlich eine Conditio sine qua non.“