Bildnachweis: IBB Ventures.
VC Magazin: Berlin ist laut aktuellem Startup-Barometer weiterhin der Spitzenreiter bei der Anzahl der Deals, aber Standorte wie München ziehen bei den großen Ticketgrößen im Deeptech-Bereich oft vorbei. Muss Berlin aufpassen, den Anschluss nicht zu verlieren?
Robeck: Berlin ist und bleibt ein extrem dynamischer Deal-Markt mit hoher Dichte an Talenten, Kapital und internationaler Sichtbarkeit. Gleichzeitig ist es gut für den Standort Deutschland, dass auch andere Städte mitziehen. Wir sehen in erster Linie Synergiepotenziale und keine Konkurrenzsituation. Aus meiner Sicht muss Berlin hier nicht „aufpassen“, sondern kann eher gezielt nachschärfen. Wir leisten unseren Beitrag, indem wir den Zugang zu Wachstumskapital für hardware- und kapitalintensive Modelle stärken.
VC Magazin: Der B#-Fonds ist im Oktober 2025 mit dem Versprechen gestartet, die Pre-Seed-Lücke im Deeptech-Bereich durch schnelle, unbürokratische Prozesse zu schließen. Wie wurde das Angebot angenommen?
Robeck: Die Resonanz auf den B#-Fonds seit dem Start im Oktober 2025 ist sehr stark. Wir sehen eine hohe Qualität im Dealflow, insbesondere aus universitären Ausgründungen in Bereichen wie KI, Life Sciences und Climatetech. Unser Anspruch – schnelle, pragmatische Entscheidungen im Pre-Seed-Bereich – wird von den Teams geschätzt. Viele Gründer berichten, dass gerade diese Geschwindigkeit und Klarheit ein entscheidender Faktor war. Gleichzeitig merken wir, dass der Bedarf weiterhin groß ist.
VC Magazin: Eine aktuelle EU-Studie von Anfang 2026 zeigt erneut, dass die Finanzierungslücke für Gründerinnen im Deeptech-Sektor massiv bleibt. Welche aktiven Strategien verfolgen Sie, um mehr Wissenschaftlerinnen und diverse Teams aus den Berliner Universitäten für den Fonds zu gewinnen?
Robeck: Die Finanzierungslücke für Gründerinnen ist ein gravierendes strukturelles Problem. Frauen stellen rund 50% der Bevölkerung. Start-ups, bei denen mindestens eine Frau im Gründerteam ist, erhalten jedoch je nach Datenquelle nur circa 7% der Venture Capital-Finanzierungen. Wir adressieren dieses Problem, indem wir früh ansetzen: durch Kooperationen mit Hochschulen, Start-up-Inkubatoren und gezielte Outreach-Formate. Oft fehlt es an Sichtbarkeit von Investorinnen. Die Sichtbarkeit und der „Pull-Effekt“ von Role Models ist wichtig. Zudem achten wir intern auf gemischte Deal-Teams und Entscheidungsstrukturen. Generell ist es wichtig, Entrepreneurship als Karriereweg zu etablieren, und die Bereitschaft, kalkulierte Risiken einzugehen, ist eine Stärke.
VC Magazin: Vielen Dank für das Gespräch.
Über die Interviewpartnerin:
Katrin Robeck ist Managing Director bei IBB Ventures und verantwortet insbesondere Frühphaseninvestments mit Fokus auf Deeptech und technologiegetriebene Ausgründungen. Zuvor war sie viele Jahre im Finanzierungs- und Innovationsumfeld tätig und bringt umfassende Erfahrung in der Skalierung junger Technologieunternehmen mit.




