Noscendo-Neustart: Bruker übernimmt DISQVER-Plattform

Sarah Wolf (Anchor Rechtsanwälte)
Sarah Wolf (Anchor Rechtsanwälte)

Bildnachweis: Anchor Rechtsanwälte.

Das US-amerikanische Life-Sciences-Unternehmen Bruker übernimmt die DISQVER®-Plattform sowie ausgewählte Vermögenswerte der insolventen Noscendo GmbH. Das Diagnostik-Startup aus Duisburg wird im Rahmen einer übertragenen Sanierung neu ausgerichtet. Die finanziellen Konditionen der Transaktion gaben die Beteiligten nicht bekannt. Der Geschäftsbetrieb am Duisburger Hauptsitz lief seit dem Insolvenzantrag Ende März dieses Jahres ohne Unterbrechungen weiter.

Rettung im Insolvenzverfahren

Laut der Insolvenzverwalterin Sarah Wolf von der Kanzlei Anchor Rechtsanwälte ist die Restrukturierung erfolgreich verlaufen. Nach Angaben der Kanzlei wurden im Verfahren die Vermögenswerte gesichert und der Weg für den Investor geebnet. Das 2016 gegründete Startup entwickelte eine Methode zur molekularbiologischen Erreger-Bestimmung mittels Next-Generation-Sequenzierung aus zellfreier DNA. Krankheitserreger lassen sich damit in weniger als 24 Stunden identifizieren. Universitätskliniken und Klinikkonzerne nutzen das Verfahren für die Sepsis-Diagnostik. Zudem schloss die Gesellschaft Selektivverträge mit Krankenkassen wie der Techniker Krankenkasse.

Probleme bei der Kommerzialisierung

Trotz technologischer Innovationskraft und dem Zufluss von fast 40 Mio. EUR Risikokapital verlief die Kommerzialisierung langsamer als erwartet. Verzögerungen bei Selektivverträgen und der wirtschaftliche Druck auf Kliniken erschwerten die Marktdurchdringung. Nach Angaben des Unternehmens scheiterte Mitte Februar 2026 eine geplante Finanzierungsrunde durch Bestandsinvestoren. Da auch Verhandlungen mit potenziellen Käufern im März ergebnislos blieben, folgte der Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung.

„Die vorhandene technologische Substanz und die hohe Relevanz des Produkts für die Patientensicherheit haben mich und unser Team von Anfang an zuversichtlich gestimmt, dass eine Fortführungslösung im Sinne der Gläubiger und Partner realisierbar ist“, erklärt Insolvenzverwalterin Sarah Wolf. Den M&A-Prozess begleitete die Beratungsgesellschaft Centuros Consult GmbH.

Konzentration auf Kerntechnologie

Kaufinteressenten zeigten ausschließlich Interesse an der patentgeschützten Software, den gewerblichen Schutzrechten sowie den IT- und Vertriebsmitarbeitern in Duisburg. Aus diesem Grund stimmte Sarah Wolf bereits im April dem Antrag der Geschäftsführung auf eine Teilbetriebseinstellung des Labors in Kusterdingen zu. Im Rahmen des Erwerberkonzepts werden ausgewählte Vermögenswerte sowie Mitarbeitende von Bruker übernommen.

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„Die Maßnahmen dienten der zwingend notwendigen Verschlankung des Unternehmens und letztlich dessen Erhalt. Nur durch diesen harten strategischen Schnitt konnte die Attraktivität der übrigen Assets der Noscendo GmbH für Investoren erhöht und die Basis für den erfolgreichen Verkauf, den Erhalt des Produktes sowie die Sicherung eines Teils der Arbeitsplätze geschaffen werden“, begründet Geschäftsführer Andreas Käpplein den Schritt.

In enger Abstimmung wurden die Abläufe stabilisiert und die Veräußerung der Patente gesichert. „Dass wir nun mit Bruker einen so starken strategischen Partner präsentieren können, ist ein hervorragendes Signal für die Weiterentwicklung dieser lebensrettenden Technologie“, ergänzt Sarah Wolf.