Aktuelle Fundraising-Erfahrungen

Sentiment

Dennis Kirpenstein (Zoho.VC), Dr. Andreas Schmidt (Springboard Health Angels), Lennard Niemann (Gharage Ventures), Dominik Lohle (May Ventures), Susanne Fromm (Vanagon Ventures), Anastassia Engel (Tikehau Capital), Jesse Jeng (Scalehouse Capital), Dr. Olivier Litzka (Andera Partners), Sierra Peterson (Voyager Ventures) & Felix Leonhardt (Oyster Bay Venture Capital)
Dennis Kirpenstein (Zoho.VC), Dr. Andreas Schmidt (Springboard Health Angels), Lennard Niemann (Gharage Ventures), Dominik Lohle (May Ventures), Susanne Fromm (Vanagon Ventures), Anastassia Engel (Tikehau Capital), Jesse Jeng (Scalehouse Capital), Dr. Olivier Litzka (Andera Partners), Sierra Peterson (Voyager Ventures) & Felix Leonhardt (Oyster Bay Venture Capital)

Bildnachweis: Tikehau Capital, Vanagon Ventures, Scalehouse Capital, Oyster Bay Venture Capital, Andera Partners, May Ventures, Zoho.VC, Gharage Ventures, Voyager Ventures, Springboard Health Angels.

In einer Umfrage berichten Fonds, die in den letzten sechs Monaten im Fundraising waren, von ihren Erfahrungen beim Einwerben von Kapital. Weitere Fonds waren angefragt und haben bis Redaktionsschluss keine Rückmeldung gegeben.

VC Magazin: Wie schwierig ist es, in der aktuellen Marktsituation Fundraising zu betreiben?

Anastassia Engel (Tikehau Capital)
Anastassia Engel (Tikehau Capital)

Anastassia Engel, Head of Sales Deutschland und Österreich, Tikehau Capital: Das Fundraising bleibt 2026 weiter herausfordernd. Grund dafür sind die makroökonomische Unsicherheit, der verstärkte Wettbewerb und die geringere Liquidität aufgrund verzögerter Exits. Wir sehen zudem, dass Investoren selektiver geworden sind und zunehmend bewährte Manager und differenzierte Strategien bevorzugen. Tikehau Capital kann für 2025 auf ein erfolgreiches Fundraising zurückblicken. Dabei haben wir vor allem von unserer Erfolgsbilanz bei lokalen Transaktionen in unseren Anlageklassen sowie unserer klaren thematischen Expertise profitiert.

Susanne Fromm (Vanagon Ventures)
Susanne Fromm (Vanagon Ventures)

Susanne Fromm, Co-Founder und General Partner, Vanagon Ventures: Anspruchsvoll, besonders für Emerging Manager – aber nicht unmöglich. Wir haben Vanagon 2023 mitten im Venture Capital-Downcycle gestartet und zunächst zahlreiche Absagen oder lange Entscheidungsprozesse erlebt. Für uns wurde es mit der Zeit leichter: Mit wachsendem Portfolio, mehr Sichtbarkeit und klarer Positionierung traf unsere These zunehmend einen Nerv – insbesondere als kleiner, spezialisierter (Pre-)Seed-Venture-Capitalist aus München für Industrial AI und Deeptech.

Jesse Jeng, Co-Founder & Managing Partner, Scalehouse Capital
Jesse Jeng, Co-Founder & Managing Partner, Scalehouse Capital

Jesse Jeng, Co-Founder & Managing Partner, Scalehouse Capital: Wir sehen eine spürbar bessere Fundraising-Lage – nach einer ruhigeren Phase geht es wieder merklich bergauf. Dennoch sind Investoren selektiver geworden: Die GP-LP-Beziehung gewinnt an Bedeutung, und LPs legen mehr denn je Wert auf eine überzeugende Investmentthese. Für Manager mit klarem Fokus und nachvollziehbarem Edge eröffnet das aktuell besondere Chancen.

Felix Leonhardt (OysterBay Venture Capital)
Felix Leonhardt (Oyster
Bay Venture Capital)

Felix Leonhardt, Managing Director, Oyster Bay Venture Capital: Das hängt stark vom DPI eines Fonds ab. Viele LPs haben zwischen 2020 und 2023 auf der Suche nach Rendite verstärkt in Venture Capital und Private Equity investiert. Einige dieser Vintages liegen hinter den Erwartungen, daher schauen Investoren heute noch genauer auf belastbare Performance-Daten. Für uns war der starke DPI unseres ersten Fonds entscheidend – er signalisiert, dass Rückflüsse realisiert werden, und überzeugte die LPs.

Dr. Olivier Litzka (Andera Partners)
Dr. Olivier Litzka (Andera Partners)

Dr. Olivier Litzka, Partner, Andera Partners: Unser siebter BioDiscovery-Fonds ist seit 2025 am Markt und einer der führenden Life Sciences-Fonds Europas. Seit dem ersten Closing 2025 haben wir bereits drei neue Investments getätigt: Adcytherix, Alveus Therapeutics und Spiro Medical. Für das finale Closing rechnen wir mit einem deutlich größeren Volumen als beim Vorgängerfonds BioDiscovery 6 (2022: 456 Mio. EUR). Trotz dieser Erfolge bleibt Fundraising im Venture Capital-Bereich herausfordernd und ist nie eine „gemähte Wiese“. Geduld und strategisches Vorgehen sind weiterhin entscheidend.

Dominik Lohle, May Ventures
Dominik Lohle, May Ventures

Dominik Lohle, Managing Partner, May Ventures: Das Umfeld hellt sich auf, mehr Fonds kommunizieren erfolgreiche Closings, und wir machen seit unserem First Closing im Herbst 2025 sehr gute Fortschritte. Die Stimmung ist heterogen: Viele Investoren erkennen, dass KI einen massiven Wandel auslöst und Europa mutiger auftreten muss. Andere sind „überallokiert“ und warten auf Rückflüsse, bevor sie neu committen.

Dennis Kirpjenstein (Zoho.VC)
Dennis Kirpjenstein (Zoho.VC)

Dennis Kirpensteijn, General Partner, Zoho.VC: In der aktuellen Marktlage zeigt sich eine selektive Erholung. Es herrscht nicht mehr die Euphorie von 2021, doch die Starre aus 2023/24 ist überwunden. Die Herausforderung ist, dass Limited Partners auf solide „Fundamentals“ achten. Wachstumsversprechen allein reichen nicht mehr aus. Als Deeptech-Fund mit direktem Zugang zum Zollhof-Ökosystem können wir vor allem lokalen LPs „Derisking“ anbieten. Während Generalisten Schwierigkeiten haben, finden spezialisierte Teams mit klarem Fokus wieder vermehrt Kapital.

Lennard Niemann (Gharage Ventures)
Lennard Niemann (Gharage Ventures)

Lennard Niemann, Founding Partner, Gharage Ventures: Gharage Ventures basiert auf starker operativer Expertise und privilegiertem Zugang zur Travel-Retail-Industrie, einem der letzten weitgehend unerschlossenen Sektoren im globalen Handel. Da unser Fonds gezielt für Corporate-Investoren aus den Bereichen Travel und Trade konzipiert ist, führen wir von Beginn an sehr offene und konstruktive Gespräche.

Sierra Peterson (Voyager Ventures)
Sierra Peterson (Voyager Ventures)

Sierra Peterson, Founder und General Partner, Voyager Ventures: Im Vergleich zu 2021 agieren LPs heute vorsichtiger und tätigen Investitionen sorgfältiger. Kapital fließt jedoch weiterhin in Funds mit einer klaren Strategie und einer langfristigen Perspektive. Wir konzentrieren uns auf Energie- und Industrietechnologien, die die grundlegenden Strukturen der Wirtschaft verändern – Märkte also, die auch über typische Venture-Zyklen hinaus Bestand haben.

Andreas Schmidt (Springboard Health Angels)
Andreas Schmidt (Springboard Health Angels)

Dr. Andreas Schmidt, Co-Founder und General Partner, Springboard Health Angels: Fundraising ist aktuell ohne Frage schwierig. Genau deshalb haben wir Springboard Health Angels gegründet. Unser Ansatz ist bewusst konträr: Gerade jetzt muss in Innovation investiert werden – das größte Risiko ist, nicht zu investieren. Bei über 30 Investments sind wir gezielt mit „FOMO-Tickets“ eingestiegen – nach dem Prinzip: Wir sind bereits investiert. Das dreht die Dynamik. Grundlage ist unser Netzwerk aus seriellen Gründern, Pharma-Executives, Ärzten und Biotech-Managern mit eigenen Exits. Wenn diese mit eigenem Kapital investieren, ist das ein starkes Signal für Venture Capitalisten und Family Offices und erleichtert Co-Investments.

VC Magazin: Welches Feedback haben Sie von den unterschiedlichen LP-Gruppierungen erfahren, wer hat ein offenes Ohr für Venture Capital?

Engel: LPs legen heutzutage mehr Wert auf häufigere Updates, detaillierte und transparente Reportings sowie Klarheit über die Widerstandsfähigkeit des Portfolios. Darüber hinaus sind auch das Risikomanagement und die Transparenz über mögliche Risiken für das Portfolio wichtiger geworden.

Fromm: Unsere ersten Unterstützer kamen vor allem aus dem Münchner Ökosystem: Unternehmer, UHNWI, Tech-Executives und Unicorn-Gründer. Mit zunehmender Portfolio-Traction öffneten sich auch Family Offices und Fund-of-Funds. Besonders unternehmerisch geprägte LPs verstehen Wagniskapital zunehmend als Keimzelle wettbewerbsfähiger Zukunftswirtschaft und möchten mit ihrem Kapital gestalten.

Jeng: Wir arbeiten eng mit dem deutschen Mittelstand zusammen und beobachten wachsendes Interesse – auch bei Unternehmern, die bisher nicht in diese Anlageklasse investiert haben. Erfahrene VC-Investoren zeigen sich weiterhin offen und engagiert. Entscheidend: Vielen Mittelständlern geht es nicht nur um Rendite, sondern darum, den Anschluss an KI-Innovationen nicht zu verlieren. Ein derartiges Angebot trifft bei vielen auf großes Interesse.

Leonhardt: Viele Family Offices, die in den Boomjahren stark in Venture Capital investiert haben, agieren derzeit selektiver. Pauschale Verallgemeinerungen greifen zu kurz: Wir sehen nach wie vor langfristig orientierte Family Offices, die gezielt in innovative Food-Start-ups investieren. Gleichzeitig gewinnen institutionelle Investoren an Bedeutung: Mit Partnern wie KfW und dem Europäischen Investitionsfonds zeigt Oyster Bay, dass unser Ansatz – unternehmerisch investieren, Rendite und Wirkung verbinden – auf institutioneller Ebene Anerkennung findet.

Litzka: Wir sehen reges Interesse über alle Gruppen hinweg: institutionelle Investoren, Family Offices, Multi-Family-Offices sowie Pharma- und CRO-Unternehmen. Europaweit und international ist Life Sciences Venture Capital stark nachgefragt. Deutschland zeigt sich dagegen überraschend zurückhaltend, trotz begrüßenswerter Initiativen wie der WIN-Initiative, deren Umsetzung jedoch noch zu langsam ist.

Lohle: Family Offices, vermögende Privatpersonen und Banken zeigen das größte Interesse. Spannend: Investoren, die in den Boomjahren nach Corona sehr aktiv waren, agieren zurückhaltender – dort schlummern noch Risiken aus hoch bewerteten Software-Portfolios. Gleichzeitig positionieren sich neue Investorengruppen erstmals im Wagniskapitalbereich.

Kirpensteijn: Besonders aktiv sind im Zoho.VC Family Offices und Unternehmerfamilien, die Innovation „Made in Germany“ suchen, um in Themen wie KI und Robotik nicht den Anschluss zu verlieren. Auch erfolgreiche Gründer als Angel-LPs zeigen großes Interesse, da sie den Zollhof als Talentschmiede kennen und stärken möchten. Auch institutionelle LPs geben zusätzlichen Rückenwind. Die Anerkennung des Zollhof als „Start-up Factory“ durch den Bund validiert das Modell und erhöht die Attraktivität für LPs.

Niemann: Wir sind generell einer großen Offenheit begegnet. Ein großer Teil der LPs, mit denen wir sprechen, hat bereits Erfahrungen mit Venture Capital gesammelt – entweder über eigene Corporate Venture-Einheiten oder über Investments in externe Fonds. Die zunehmende Relevanz neuer Technologien und die starke operative Expertise hat die Offenheit für Venture Investments deutlich erhöht.

Peterson: Wir sehen vor allem, dass LPs an Managern interessiert sind, die mit Überzeugung und Glaubwürdigkeit investieren. Unsere Strategie ist klar definiert: Wir unterstützen junge Unternehmen, die Technologien für Energie, Fertigung, Werkstoffe und andere zentrale Industriesysteme entwickeln. Stiftungen, gemeinnützige Organisationen und Family Offices zeigen sich oft besonders aufgeschlossen, da sie den technologischen Wandel und sein Potenzial langfristig betrachten.

Schmidt: Das Interesse an Healthcare und Biotech ist hoch, insbesondere bei personalisierter Medizin, Onkologie, Immunologie sowie Resilience-Themen. Neben Family Offices sprechen uns zunehmend auch institutionelle Investoren und Endowments an, da wir näher an Wissenschaft und Technologie sind als klassische Fonds. Ein wesentlicher Unterschied ist unser Einsatz von Künstlicher Intelligenz: KI-basierte Plattformen ermöglichen schnellere, fundiertere und oft antizyklische Entscheidungen sowie gezieltere Partnerschaften und Exit-Pfade.

VC Magazin: Nach dem Fundraising ist ja bekanntlich vor dem Fundraising. Wie geht es weiter?

Engel: Bei Tikehau Capital setzen wir in der Regel erfolgreiche Strategien fort und erweitern sie – so haben wir bereits sechs Fondsgenerationen unserer Private Debt‑Strategie aufgelegt. Das hilft auch beim Fundraising, da Investoren bereits mit den Strategien und unserem Track Record vertraut sind. Außerdem sammeln wir regelmäßig Feedback von Investoren ein, um unsere Strategien zu verbessern, uns auf künftige Fundraising-Zyklen vorzubereiten und besser auf die Bedürfnisse der LPs eingehen zu können.

Fromm: Der Fokus liegt auf dem Portfolio. Wir haben darin bereits über 20 Start-ups und investieren weiter aus dem Fund I. Zudem unterstützen wir unsere Gründer intensiv beim Wachstum und bei Anschlussfinanzierungen. Da sich unser Portfolio stark entwickelt und uns unsere Arbeit riesigen Spaß macht, wird perspektivisch auch ein Fund II folgen.

Jeng: Wir bleiben unserem Ansatz treu: enger Austausch mit allen bestehenden und potenziellen LPs, mit konkretem Mehrwert über die Rendite hinaus – etwa durch aktive Begleitung der digitalen Transformation in ihren Unternehmen. Wir sind überzeugt, dass starke LP-Beziehungen und starke Portfolioarbeit zwei Seiten derselben Medaille sind.

Leonhardt: Nach dem überzeichneten Closing unseres zweiten Fonds mit über 100 Mio. EUR liegt der Fokus auf Investments und Portfolioaufbau. Wir investieren aktuell ein bis zwei Unternehmen pro Quartal und bleiben unserem unternehmerischen Ansatz treu: sehr selektiv investieren, Gründer stärken und Lösungen fördern, die den Wandel des globalen Ernährungssystems vorantreiben. Fonds II knüpft an die starke Performance von Fonds I an, der über 25% Rendite per annum erzielte. Parallel denken wir langfristig: Nach jetzigem Investitions- und Exit-Zyklus werden wir 2027/2028 mit der Vorbereitung für unseren dritten Fonds starten.

Litzka: Wir bauen auf die bisherigen Erfolge auf. Mit dem finalen Closing 2026 streben wir ein signifikant größeres Fondsvolumen als bei unserem letzten Fonds an, um unsere Investitionsstrategie im Life Sciences-Bereich weiter voranzutreiben.

Lohle: Wir befinden uns selbst noch aktiv im Fundraising, bauen aber gleichzeitig unser Portfolio kräftig aus; ein Spagat, bei dem sich beides gegenseitig befruchtet. Wir sehen eine echte neue Gründerzeit: Viele Gewissheiten wandeln sich. Für einen Fonds mit Fokus auf ganz junge Unternehmen sind das spannende Zeiten. Fonds II haben wir im Blick, doch die beste Vorbereitung ist exzellente Arbeit an Fonds I sowie der Aufbau langfristiger, vertrauensvoller Beziehungen zu unseren Investoren. Mit klarem Blick und großem Optimismus gehen wir in die kommenden Jahre.

VentureCapital Magazin 02/2026
VentureCapital Magazin 02/2026

Niemann: Unser kurzfristiger Fokus liegt auf einem Second Closing bis Jahresende. Parallel dazu bauen wir Gharage Ventures als strategische Innovationsplattform für die Branche aus. Durch unser Netzwerk und unseren klaren Sektorfokus sind wir optimal positioniert, um in Themen wie Agentic Commerce sowie Technologien zu investieren, die globalen Retail und Travel fundamental verändern. Langfristig ist die Vision klar: eine Brücke zwischen den innovativsten Start-ups weltweit und den führenden Corporates zu bauen, die die Zukunft von Travel und Trade definieren.

Kirpensteijn: Mit 70% des Fundraising-Ziels gesichert, verfolgen wir 2026 einen
klaren Fahrplan: Bis Jahresende soll das Final Closing (10 Mio. EUR) erreicht beziehungsweise durch die hohe Nachfrage übertroffen werden. Fokus ist der Ausbau
des Portfolios, wobei bereits fünf Investitionen in Unternehmen wie Merge Labs getätigt wurden.

Peterson: Der nächste Schritt ist eigentlich einfach: klug investieren. Venture-Firmen finanzieren ihren nächsten Fund letztendlich dadurch, dass sie im aktuellen Fund erfolgreiche Unternehmen aufbauen. Für uns bedeutet das, Gründer zu unterstützen, die
neue Energie- und Industrietechnologien in branchenprägende und skalierbare Unternehmen verwandeln.

Schmidt: Wir begleiten unsere Portfolios aktiv in die nächsten Finanzierungsrunden – mit
dem Anspruch, entlang des gesamten Wachstumszyklus echten Mehrwert zu schaffen.
Und genauso freuen wir uns auf den Dialog mit weiteren LP-Investoren für unseren Fund.

VC Magazin: Vielen Dank!