Bildnachweis: Rosberg Ventures.
Mit Rosberg Ventures hat Nico Rosberg einen 100-Mio.-EUR-Dachfonds aufgelegt, der europäischen Unternehmerfamilien Zugang zu den weltweit führenden Venture Capital-Fonds eröffnen soll. Im Interview spricht der ehemalige Formel-1-Weltmeister über Fundraising in einem schwierigen Markt, seine Investmentstrategie und den Ausbau von Direktbeteiligungen.
VC Magazin: Sie haben kürzlich das Final Closing für Ihren 100-Mio.-EUR-Dachfonds bekannt gegeben. Wie haben Sie das Fundraising erlebt; wie schwer ist es aktuell, Kapital einzusammeln?
Rosberg: Der Fonds war 1,4-mal überzeichnet. Das empfinden wir als großen Vertrauensbeweis. Bei 100 Millionen haben wir bewusst gecappt, weil für uns dort die beste Performance liegt. Europas Unternehmerfamilien wollen in Venture Capital investieren – sie brauchen nur den richtigen Zugang zu den absoluten Tier one-Fonds. Genau den bieten wir.
VC Magazin: Welchen Fokus setzen Sie mit dem Dachfonds, in welche Fonds möchten
Sie investieren?
Rosberg: Unser Fokus ist klar: Wir investieren in die weltweit führenden Wagniskapitalfonds, die den Zugang zu den vielversprechendsten Start-ups der Welt eröffnen. Unsere Partnerfonds gehören zu den Top Ten der Welt. Deren jährliche Rendite liegt bei 25%. Über die Laufzeit vervierfacht sich im Schnitt der Einsatz der Kunden. Thematisch treiben uns Technologien wie KI, Deeptech, Blockchain, Enterprise und Consumertech an. In die künftigen Champions in diesem Bereich kann man nur über Venture Capital investieren. Wir wollen mit unserem Fund of Funds sicherstellen, dass europäische Investoren an dieser Wertschöpfung teilhaben – statt nur zuzuschauen.
VC Magazin: Als Dachfondsinvestor erhalten Sie sicher Anfragen von Fonds. Wie viele Anfragen erreichen Sie aktuell, wie bewerten Sie die Qualität dieser Anfragen?
Rosberg: Wir investieren in die zehn, zwölf besten Venture Capital-Fonds der Welt. Das ist ein kleiner, exquisiter Kreis. Anfragen anderer Fonds gibt es, aber sie passen nicht in unsere Strategie.
VC Magazin: Sie tätigen parallel zum Dachfonds auch Direktinvestments in Start-ups. In wie viele haben Sie bereits investiert, wie fällt Ihr Track Record aus?
Rosberg: Ich persönlich habe über 35 Direktinvestments getätigt. Diese Angel-Investitionen haben eine strategische Funktion: Sie bauen Beziehungen zu Gründerinnen und Gründern sowie anderen beteiligten Venture Capitalisten auf und schaffen Glaubwürdigkeit. Seit Herbst 2025 haben wir außerdem die Strategie von Rosberg Ventures um Direktinvestments erweitert. Durch unsere Dachfonds haben wir einen einzigartigen Überblick, welche Start-ups sich weltweit am herausragendsten entwickeln. Davon wählen wir die besten für direkte Beteiligungen aus. Die Tickets für Direktinvestments liegen zwischen 2 Mio. und 5 Mio. USD pro Start-up. Langfristig soll der Anteil an Direktinvestments etwa 20% des verwalteten Vermögens von Rosberg Ventures ausmachen.
VC Magazin: Worauf setzen Sie bei Ihren Einzelinvestments, welche Unternehmen sind hier besonders spannend für Sie?
Rosberg: Mich reizen Unternehmen, die tiefsitzende Effizienzprobleme mit technischer Brillanz lösen und dabei eine enorme Skalierbarkeit beweisen. Zwei aktuelle Beispiele: Fuse Energy aus Großbritannien: Fuse ist kein klassischer Versorger, sondern ein vertikal integriertes Technologieunternehmen. Sie kontrollieren die gesamte Kette – von der Erzeugung über den Handel bis zum Endkunden. Durch diese Tiefe können sie erneuerbare Energien radikal günstiger und zuverlässiger machen. Das ist genau die Art von Infrastrukturinnovation, die wir brauchen. ClickHouse, ein kalifornisches Unternehmen, hingegen adressiert das Nadelöhr der Digitalisierung. Daten sind wertlos, wenn man sie nicht in Echtzeit nutzen kann. ClickHouse bietet das weltweit schnellste quelloffene Datenbanksystem für analytische Abfragen. Wir sprechen hier von der Fähigkeit, Milliarden von Datensätzen in Millisekunden auszuwerten. Genau das braucht es im KI-Zeitalter.
VC Magazin: Investieren Sie bei Direktinvestments bevorzugt als Lead-Investor oder setzen Sie auch auf eine Rolle als Co-Investor?
Rosberg: Wir sind bei unseren Direktinvestments kein klassischer Lead-Investor – das ist auch nicht unser Anspruch. Unsere Stärke liegt woanders: Wir co-investieren neben den weltweit besten Venture Capitalisten und bringen dabei mehr mit als nur Kapital: High Performance-Denken, strategisches Sparring und ein belastbares Netzwerk zu europäischen
Corporates. Unsere Partnerfamilien und LPs profitieren dabei doppelt: Sie bekommen Zugang zu exzellenten Deals und für ihre Unternehmen Zugang zu den Technologien der Zukunft. Da entstehen für alle Seiten sehr spannende Synergien. Das macht uns als Co-Investor besonders wertvoll.
VC Magazin: Vielen Dank für das Gespräch.
Über den Interviewpartner:
Nico Rosberg ist Investor in etwa 35 Start-ups und Tech-Firmen, Mitgründer des Greentech Festivals, des größten Nachhaltigkeitsfestivals Europas, und Formel-1-Weltmeister 2016. Mit Rosberg Ventures hat er einen eigenen Venture Capital-Dachfonds aufgelegt, der europäischen Unternehmerfamilien Zugang zu den weltbesten Wagniskapitalfonds verschafft.



