„Transformation sollte immer vom Kunden her gedacht werden“

Interview mit Marcell Faller, sonoro

Marcell Faller, sonoro
Marcell Faller, sonoro

Bildnachweis: https://sonoro.com.

Vom Hardwarehersteller zur Audio-Lifestyle-­Plattform: sonoro-Gründer Marcell Faller spricht im Interview über den Wandel zum datenbasierten D2C-Geschäftsmodell sowie die Bedeutung von KI-­Bootcamps für das Team und erklärt, warum die NRW.Bank als Partner entscheidend war, um den Spagat zwischen operativem Geschäft und radikaler Innovation zu meistern.

VC Magazin: sonoro kommt aus der klassischen Hardwarewelt. Wie gehen Sie im Unternehmen mit den Themen Digitalisierung und Transformation um?

Faller: Wir verstehen Digitalisierung nicht als IT-Projekt, sondern als Chance zur strategischen Weiterentwicklung unseres Geschäftsmodells. In den letzten Jahren haben wir sonoro von einem klassischen Hardwarehersteller zu einer integrierten Audio-Lifestyle-Plattform weiterentwickelt – mit einheitlicher Softwarebasis, neuen digitalen Funktionen, Smart Home-Integration, Multiroom, Auracast und einem deutlich stärkeren D2C-Fokus. Transformation heißt für uns: Produkte intelligenter machen, Kundenerlebnisse vereinfachen und Prozesse datenbasierter steuern. Ein wichtiger nächster Schritt ist für uns die bessere Datensammlung und das tiefere Verständnis unserer Kunden: Denn wir bieten hochwertige Audiolösungen für jeden Raum im Zuhause. Unser Ziel ist deshalb nicht der einmalige Verkauf, sondern der Aufbau einer langfristigen Kundenbeziehung mit höherem Lifetime Value – also den Kunden Schritt für Schritt zum „Serial Buyer“ innerhalb der sonoro-Welt zu machen. Gleichzeitig investieren wir stark in die Zukunftsfähigkeit unserer Organisation: Mit einem zehnwöchigen KI-Bootcamp bilden wir unser gesamtes Team, die „Sonorians“, weiter und verankern so ein breiteres Verständnis für Zukunftstechnologien und die konkreten Chancen, die Künstliche Intelligenz für sonoro eröffnen kann.

VC Magazin: Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen bei der Transformation, wo sind Sie selbst an Grenzen gestoßen?

Faller: Die größte Herausforderung ist, gleichzeitig das bestehende Geschäft zu sichern und die Zukunft aufzubauen. Gerade im Mittelstand sind Ressourcen begrenzt: Man muss priorisieren, aushalten, dass nicht alles parallel geht, und trotzdem Geschwindigkeit halten. An Grenzen bin ich vor allem dort gestoßen, wo Gründerenergie allein nicht mehr reicht – etwa bei Professionalisierung, Prozessdisziplin und dem Loslassen operativer Themen. Transformation verlangt irgendwann, Verantwortung breiter im Team zu verankern und Führung neu zu denken. Das ist anspruchsvoll, aber auch ein wichtiger Reifeschritt.

VC Magazin: Welche Rolle hat die NRW.Bank bei Ihrer Transformation gespielt?

Faller: Die NRW.Bank war für uns ein verlässlicher Partner in einer entscheidenden Entwicklungsphase. Transformation braucht nicht nur Kapital, sondern auch Vertrauen, Kontinuität und ein Verständnis dafür, dass Wertaufbau im Mittelstand Zeit braucht. Genau diese Haltung war wichtig, um in Produktentwicklung, Technologie und Professionalisierung investieren zu können. Aus meiner Sicht ist das ein gutes Beispiel dafür, wie öffentliche Förder- und Beteiligungspartner echte Zukunftsentwicklung ermöglichen können.

VC Magazin: Was raten Sie einem Mittelständler, der vor dieser Aufgabe steht?

Faller: Transformation sollte immer vom Kunden her gedacht werden, nicht von der Technologie. Mein zweiter Rat ist: konsequent fokussieren – lieber wenige Dinge richtig umsetzen als viele halb. Drittens: Digitalisierung nur gemeinsam mit Kulturwandel angehen, denn neue Tools ohne neues Denken bringen wenig. Und viertens: sich regelmäßig zu einer Art Zero-Based Thinking zwingen. Also sich ehrlich zu fragen: Wenn ich dieses Unternehmen mit dem Wissen und den technologischen Möglichkeiten von heute noch einmal neu aufbauen würde – wie würde ich Vertrieb, Marketing, Prozesse, Produkte und Kundenbeziehungen gestalten? Genau diese Denkweise hilft, alte Gewohnheiten zu hinterfragen und echte Zukunftsfähigkeit zu schaffen. Transformation ist kein Sprint und keine Einzelkämpferdisziplin, sondern ein gemeinsamer Lernprozess.

VC Magazin: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Über den Interviewpartner:

Marcell Faller ist Gründer und CEO von sonoro. Er gründete das Unternehmen 2006 in Neuss mit der Vision, Audioprodukte zu entwickeln, die exzellenten Klang, ikonisches Design und intuitive Bedienung verbinden – mit dem Ziel, Menschen mit Technologie wirklich zu begeistern.