„Wachstumskapital entscheidet, wo Zukunftstechnologien entstehen“

Interview mit Gabriela Pantring, Vorstandsvorsitzende der NRW.BANK

Gabriela Pantring, Vorstandsvorsitzende NRW.Bank (c) NRW.Bank
Gabriela Pantring, Vorstandsvorsitzende NRW.Bank (c) NRW.Bank

Bildnachweis: NRW.Bank.

Scale-ups finden in Deutschland und Europa oft nicht ausreichend Kapital für große Wachstumsrunden. Gabriela Pantring erläutert, welche Folgen das für Standort und Wettbewerbsfähigkeit hat und welche Impulse die NRW.Bank mit ihrem neuen Fonds NRW.Venture EU Tech&Scale setzt.

VC Magazin: „NRW.Venture EU Tech&Scale“ der NRW.Bank richtet sich an Scale-ups. Die Besonderheit: Der Fonds basiert auf einer Garantievereinbarung mit der EU-Kommission, die NRW.Bank ist erster „InvestEU Implementing Partner“ in Deutschland. Welche Effekte erhoffen Sie sich mit dem neuen Instrument?

Pantring: Mit unserem neuen Fonds setzen wir genau dort an, wo der Markt bislang zu wenig bietet. Große Wachstumsfinanzierungen sind bei uns in Deutschland immer noch die Ausnahme. Investoren sind risikoaverser als etwa in den USA oder China, die Volumina entsprechend kleiner. Die Folge: Skalierende Technologieunternehmen werden oft zu früh verkauft oder wandern ins Ausland ab – und mit ihnen Arbeitsplätze und Wertschöpfung. Das wollen wir ändern. Indem wir uns das Risiko möglicher Ausfälle mit der EU-Kommission teilen, können wir mutiger und großvolumiger in sehr innovative Geschäftsmodelle investieren. Bis zu 30 Mio. EUR pro Unternehmen sind möglich, doppelt so viel wie bisher. Damit schließen wir eine Finanzierungslücke, die viele Scale-ups bislang ausgebremst hat.

VC Magazin: Souveränität zu sichern und Resilienz zu stärken – das sind wichtige Aufgaben der Bundesländer. Welche Rolle spielt der Fonds dabei?

Pantring: In geopolitisch herausfordernden Zeiten ist es entscheidend, dass Schlüsseltechnologien in Europa entwickelt, skaliert und langfristig gehalten werden. Dazu zählen Innovationen aus vielen technologischen Bereichen, von Greentech über Life Sciences und KI bis hin zu Defence – nur so können wir uns unabhängiger von anderen Märkten machen. Mit der Finanzierung hochinnovativer Scale-ups stärken wir daher die technologische Souveränität und die wirtschaftliche Resilienz in NRW und damit in Europa.

VC Magazin: Sie haben zentrale Zukunftstechnologien angesprochen. Wie ist Nordrhein-Westfalen in diesen Bereichen im bundesdeutschen Vergleich positioniert?

Pantring: NRW ist in diesen Technologien breit und gut aufgestellt. Ein wichtiger Grund dafür ist die starke Hochschullandschaft, die ein gutes Umfeld für Grundlagenforschung und Innovation schafft. Exemplarisch für das Potenzial in Nordrhein-Westfalen stehen die Aachener Unternehmen Black Semiconductor und cylib, an denen auch die NRW.Bank beteiligt ist. Das eine entwickelt innovative Halbleiterlösungen, das andere setzt neue Maßstäbe im Batterierecycling. Der Plattform Tech Tour zufolge gehören beide Unternehmen zu den 50 am schnellsten wachsenden wagniskapitalfinanzierten Technologieunternehmen in Europa. Entscheidend ist nun, dass solche Scale-ups auch künftig die passenden Wachstumsfinanzierungen vor Ort finden. Genau hier setzt unser Fonds an.

VC Magazin: Wie sehen die weiteren geplanten Schritte für den Fonds aus?

Pantring: Insgesamt ermöglicht der neue Fonds bis zu 200 Mio. EUR für Investitionen in junge Wachstumsunternehmen. Wir investieren immer gemeinsam mit Co-Investoren und hebeln so weiteres Kapital: Denn um großvolumige, mutige Investments zu ermöglichen, kommt es auch darauf an, Kräfte zu bündeln. Gleichzeitig bauen wir unser Engagement weiter aus: Allein 2025 ist unser Bestand an Eigenkapitalzusagen um 15% auf 822 Mio. EUR gestiegen. Unser Ziel: NRW soll der Ort sein, an dem Europas nächste Tech-Champions erfolgreich skalieren.

VC Magazin: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Über die Interviewpartnerin: 

Gabriela Pantring ist Vorsitzende des Vorstands der ­ NRW.­ Bank, der Förderbank für Nordrhein-Westfalen. Außerdem ist sie unter anderem Vizepräsidentin der European Association of Public Banks (EAPB), Mitglied im Vorstand des Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) sowie Mitglied im Beirat der Hauptverwaltung der Bundesbank in Nordrhein-­ Westfalen