„Wir möchten Europas bedeutendster Start-up-Campus werden“

Interview mit Dr. Robert R. Richter, Werk1

Dr. Robert R. Richter, Werk1
Dr. Robert R. Richter, Werk1

Bildnachweis: Werk1.

Das Werk1 am Ostbahnhof bezeichnet sich selbst als den start-up-freundlichsten Ort Münchens. Mit einem Mix aus Coworking, Coliving und Eventspace bildet der Hub seit 2013 die Heimat der digitalen Gründungsszene.

VC Magazin: Was benötigen Gründer heute und morgen am dringendsten, was muss ein Gründerzentrum bieten?

Richter: Gründer brauchen vor allem Geschwindigkeit: schnelle Entscheidungen, schnellen Zugang zu Kunden, Kapital und Talenten. Ein Gründerzentrum muss deshalb mehr sein als Fläche. Es muss ein funktionierendes Ökosystem sein, in dem Entrepreneure die richtigen Ansprechpartner sofort finden: Mentoren, Experten, Investoren, Corporate-Partner. Entscheidend sind zudem professionelle Infrastruktur und Services, damit Gründer sich auf Produkt und Markt konzentrieren können. Das Werk1 ist ein solcher Ort, dem Zusammenarbeit entspringt, denn Innovation entsteht selten isoliert im Homeoffice, sondern im Austausch, in Pilotprojekten, in gemeinsamen Formaten.

VC Magazin: Welche Vision haben Sie mit dem Werk1?

Richter: Unsere Vision ist, das Werk1 vom Gründerzentrum zu Europas größtem und bedeutendstem Start-up-Campus weiterzuentwickeln. Natürlich nicht im Alleingang, sondern mit vielen Enablern und Ökosystem-Playern zusammen! Wir wollen Start-ups und Scale-ups mit den besten Enablern, Programmen, Wagniskapitalgebern und Corporates an einem Ort bündeln – im Werksviertel. Ziel muss es sein, München dauerhaft als Scale-up-City zu etablieren: mehr Wachstum hier, weniger Abwanderung, mehr internationale Sichtbarkeit und Wertschöpfung für Bayern, Deutschland und Europa.

VC Magazin: Wie sieht das Gründerzentrum der Zukunft aus, welche Rolle spielt KI dabei?

Richter: Das Gründerzentrum der Zukunft ist eine hybride Plattform: physisch als Ort für Community, Events, Matchings und möglichst auch MVP- und PoC-Testing. Digital kann der nationale und internationale Zugang zu Programmen, Experten und Daten skaliert werden. KI wird dabei zum Produktivitätshebel: bei Matchings (Start-up – Corporate – Investor), bei Qualifizierung (Trainings, Mentoring), bei internen Prozessen im Betrieb von Gründerzentren und beim Wissenstransfer. Entscheidend ist, dass KI nicht nur Tools liefert, sondern auch die Geschwindigkeit erhöht. Gleichzeitig braucht es meines Erachtens eine starke Community vor Ort und darüber hinaus Reallabore und Experimentierklauseln rund um Gründerzentren, um neue Technologien unter realen Bedingungen schneller testen und marktreif machen zu können. Und wir müssen die Ökosystemstruktur effizienter organisieren: Die Vielzahl an großen und kleinen Akteuren sollte stärker über Hub-and-Spoke-Systeme gebündelt werden. Große, überregionale Hubs in Metropolen übernehmen Programme, Infrastruktur, Qualitätssicherung und internationale Anziehungskraft. Kleinere Zentren im Umland wirken als Spokes für lokale Talente, Vorgründung und regionalen Mittelstand. So entstehen Economies of Scale und Scope: weniger Doppelstrukturen, mehr gemeinsame Services, mehr Schlagkraft. Ressourcen fließen maximal in Training, Coaching und Marktzugang statt in Verwaltung.

VC Magazin: Gibt es internationale Gründerzentren, die Sie besonders beeindrucken oder die Ihnen auch als Vorbild dienen? Was schauen Sie sich dort ab?

Richter: Die Station F in Paris beeindruckt durch die kritische Masse an Programmen und Partnern an einem Ort. In London und Singapur sieht man, wie gut Sandboxes funktionieren, wenn Regulierung und Innovation gemeinsam gedacht werden. Was wir uns generell abschauen: internationale Anziehungskraft, klare Positionierung, professionelle Services und vor allem die Fähigkeit, Start-ups schnell in echte Märkte zu bringen – über starke Corporate-Partnerschaften und investorengetriebene Netzwerke und viel weniger Regulatorik, wie in den USA oder Israel.

VC Magazin: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Über den Interviewpartner: 

Dr. Robert R. Richter ist Geschäftsführer des Werk1 in München, des größten Gründerzentrums für digitale Tech-­Start-ups in Deutschland. Seine Vision ist es, die besten Enabler, Programme, Investoren und Corporates im Werksviertel an einem Ort zu bündeln und so den größten Start-up- und Innovationscampus Europas zu schaffen.