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Die deutsche Biotech-Branche hat sich 2025 in einem schwierigen Marktumfeld behauptet, kämpft jedoch weiterhin mit strukturellen Herausforderungen bei der Finanzierung. Das geht aus dem „German Biotechnology Report 2026“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY-Parthenon hervor, der in Kooperation mit dem Branchenverband BIO Deutschland erstellt und auf dem auf dem Biotech Finanzgipfel am 8. Juni 2026 erstmals in Berlin vorgestellt wurde.
Insgesamt sammelten deutsche Biotech-Unternehmen im vergangenen Jahr 1,8 Mrd. EUR Kapital ein. Gegenüber 2024 entspricht dies einem Rückgang von 5%. Besonders deutlich fiel der Rückgang bei Venture-Capital-Investitionen aus: Sie sanken von knapp 900 Mio. EUR auf 601 Mio. EUR und damit um 33%. Zugleich konzentrierte sich das verfügbare Kapital zunehmend auf wenige große Unternehmen in fortgeschrittenen Entwicklungsphasen. Die drei größten Finanzierungsrunden vereinten 71% des gesamten Risikokapitals auf sich. Klaus Ort, Senior Partner im Bereich Life Sciences & Health bei EY-Parthenon, sagte: „Kapital ist zwar verfügbar, es konzentriert sich jedoch zunehmend auf wenige, bereits weiter entwickelte Unternehmen. Insbesondere in der Wachstumsphase geraten viele Biotechs ins Stocken. Eine nachhaltige Entwicklung der Branche hängt daher maßgeblich davon ab, ob es gelingt, Finanzierungslücken zu schließen und den Übergang von Forschung zu industrieller Wertschöpfung zu beschleunigen.“ Weiterhin kritisierte er im Rahmen des von Bio Deutschland organisierten Biotech Finanzgipfels: „Wir investieren hierzulande in Ideen und das Ausland investiert in Erfolge.“
Umsatz leicht rückläufig, Beschäftigung wächst
Der Gesamtumsatz der deutschen Biotech-Branche lag 2025 bei 12 Mrd. EUR und damit 1% unter dem Vorjahreswert. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung gingen um 4% auf 4,5 Mrd. EUR zurück. Gleichzeitig stieg die Zahl der Beschäftigten um 3% auf 59.607 Mitarbeitende. Auch die Anzahl der Unternehmen wuchs um 3% auf nunmehr 1.052. Weiterhin problematisch bleibt der Kapitalmarktzugang. Erneut gelang keinem deutschen Biotech-Unternehmen ein Börsengang am heimischen Markt. Während in den USA trotz eines insgesamt verhaltenen Marktumfelds zwölf Biotech-IPOs mit einem Emissionsvolumen von rund 2,1 Mrd. EUR durchgeführt wurden, bleibt das IPO-Fenster in Deutschland geschlossen. Die vergangenen Börsengänge deutscher Biotech-Unternehmen fanden nahezu ausschließlich an der NASDAQ statt. Auch im M&A-Segment verlor der Markt nach einem starken Jahr 2024 an Dynamik. Zwar stieg die Zahl der Fusionen und Übernahmen von zehn auf 13 Transaktionen, der Gesamtwert sank jedoch um 38 Prozent auf 2,9 Mrd. Euro.
Frühphasenfinanzierung bricht ein
Besonders besorgniserregend entwickelt sich die Finanzierung junger Unternehmen. Nachdem sich das Volumen der Frühphasenfinanzierungen von 207 Mio. EUR im Jahr 2023 auf 419 Mio. EUR im Jahr 2024 mehr als verdoppelt hatte, fiel es 2025 auf nur noch 160 Mio. EUR zurück. Vor allem die Series-B-Finanzierung verzeichnete einen historischen Einbruch. Das Finanzierungsvolumen sank von 169 Mio. Euro auf lediglich sieben Mio. Euro – der niedrigste Wert der vergangenen acht Jahre. Die Series-A-Finanzierung blieb mit 75 Mio. EUR vergleichsweise stabil. Die Seed-Finanzierung ging nach dem Rekordjahr 2024 zwar auf 78 Mio. EUR zurück, lag jedoch weiterhin deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Dr. Viola Bronsema, Geschäftsführerin des BIO Deutschland e. V., erklärte: „Dieser starke Rückgang bei der Anschlussfinanzierung deutet darauf hin, dass größere Venture-Capital-Folgerunden zwischen 2022 und 2025 aufgrund wachsender Investorenunsicherheit kaum noch zustande kamen.“ Zugleich sieht die Branchenvertreterin politischen Handlungsbedarf: „Deutschland hat ein Problem mit der Wertschöpfung von biotechnologischen Erfindungen und Entwicklungen: Die wissenschaftliche Exzellenz ist unbestritten, doch sie führt bislang nicht im gleichen Maße zu wirtschaftlicher Stärke. Begrenzter Zugang zu Wachstumskapital und langwierige Prozesse in fragmentierten Strukturen bremsen die Entwicklung. Entscheidend ist jetzt, diese Rahmenbedingungen zügig und gezielt zu verbessern. Umso wichtiger ist ein innovationsfreundliches Zusammenspiel von Politik, Kapitalmarkt und Industrie, das Investitionen erleichtert und Skalierung ermöglicht.“
Klinische Pipeline sorgt für Zuversicht
Trotz der Herausforderungen gibt es positive Signale aus der Branche. Die deutsche Biotechnologie wird weiterhin von Anwendungen in Therapie und Diagnostik geprägt. Besonders die Zahl der klinischen Studien entwickelt sich positiv: Die Anzahl der Phase-2-Projekte stieg 2025 von 100 auf 118. Gleichzeitig zeigt sich insgesamt eine reifere Pipeline mit zunehmendem Fokus auf fortgeschrittene Entwicklungsstadien.


