Biotech Finanz-Gipfel 2026: Branche fordert schnellere Reformen

BIO Deutschland veranstaltet Biotech Finanz-Gipfel in Berlin

Dr. Holger Reithinger (BIO Deutschland), Klaus Ort (EY-Parthenon), Roland Sackers (BIO Deutschland) und Dr. Achim Plum (HTGF) (v.l.n.r.) disktuieren zur Lage der Biotech-Branche (c) VC Magazin
Dr. Holger Reithinger (BIO Deutschland), Klaus Ort (EY-Parthenon), Roland Sackers (BIO Deutschland) und Dr. Achim Plum (HTGF) disktuieren zur Lage der Biotech-Branche (c) VC Magazin

Bildnachweis: VC Magazin, Dr. Holger Reithinger, Leiter AG Finanzen & Steuern, BIO Deutschland (c) VC Magazin.

Die Finanzierung der deutschen Biotechnologie stand am heutigen Montag, 8. Juni 2026, im Mittelpunkt des 15. Biotech Finanz-Gipfels von BIO Deutschland. Zahlreiche Finanzvorstände, Geschäftsführer, Investoren und Branchenvertreter kamen im Berliner dbb forum zusammen, um über die Kapitalversorgung der Branche, regulatorische Herausforderungen und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu diskutieren. Im Rahmen der Veranstaltung veröffentlichte der Branchenverband zudem ein aktualisiertes finanzpolitisches Positionspapier vor und richtete einen deutlichen Appell an die Bundesregierung.

Dr. Holger Reithinger, Leiter AG Finanzen & Steuern, BIO Deutschland (c) VC Magazin
Dr. Holger Reithinger, Leiter AG Finanzen & Steuern, BIO Deutschland (c) VC Magazin

Die Botschaft der Branche: Die politischen Weichenstellungen der vergangenen Monate seien zwar grundsätzlich positiv, bei der konkreten Umsetzung fehle es jedoch an Geschwindigkeit. Gerade angesichts des zunehmenden internationalen Wettbewerbs um Kapital, Talente und Innovationen könne sich Deutschland weitere Verzögerungen nicht leisten. „Die Bundesregierung hat mit der Hightech Agenda Deutschland richtige und wichtige Weichen für die Schlüsseltechnologie Biotechnologie gestellt. Das alleine wird aber nicht reichen, um ausreichend Veränderungen hervorzurufen. Die kürzlich veröffentlichten Meilensteine der Roadmap der Hightech Agenda gehen beispielsweise nicht auf steuerliche oder finanzpolitische Rahmenbedingungen ein. Hier sind andere Bundesministerien, insbesondere das Bundesfinanzministerium, gefordert, schnellstmöglich steuerliche Rahmenbedingungen zu setzen, die wirklich etwas bewegen können.”, sagte Roland Sackers, Vorstandsvorsitzender von BIO Deutschland.

Finanzierungslücke in der Wachstumsphase bleibt zentrale Herausforderung

Klaus Ort, Partner Life Sciences & Health, EY-Parthenon (c) VC Magazin
Klaus Ort, Partner Life Sciences & Health, EY-Parthenon (c) VC Magazin

Die Diskussionen auf der Konferenz knüpften unmittelbar an die Ergebnisse des ebenfalls heute vorgestellten German Biotechnology Report 2026, erstellt von EY-Parthenon mit Unterstützung von BIO Deutschland, an. Dieser hatte erneut gezeigt, dass insbesondere die Finanzierung von Wachstumsunternehmen zunehmend unter Druck gerät. Während Deutschland über eine starke wissenschaftliche Basis und eine aktive Gründungsszene verfügt, fehlt es vielen Unternehmen an ausreichend Kapital für die Skalierungsphase. Vor diesem Hintergrund kritisierte BIO Deutschland insbesondere die schleppende Umsetzung der Initiative Wachstums- und Innovationskapital für Deutschland (WIN). Die ursprünglich angekündigten Mittel seien bislang nur zu einem geringen Teil tatsächlich in den Markt geflossen. „Wir brauchen dringend mehr Tempo bei der Umsetzung von wichtigen Vorhaben. So sind beispielsweise von den 25 Mrd. EUR, die über die Initiative Wachstums- und Innovationskapital für Deutschland, kurz WIN, von institutionellen Investoren in VC investiert werden sollen, gerade einmal 12 Mrd. EUR zugesagt und erst 2,7 Mrd. EUR wirklich geflossen. Das reicht nicht, um Unternehmen mit hohem Kapitalbedarf in der Wachstumsphase, wie beispielsweise Therapieentwicklern, zu helfen”, erklärte Viola Bronsema, Geschäftsführerin von BIO Deutschland. Zugleich verwies sie auf politische Maßnahmen, die aus Sicht der Branche den Standort zusätzlich belasten. „Andere Maßnahmen, wie die Reform zur Gesetzlichen Krankenversicherung, konterkarieren sogar die Bemühungen, Deutschland zu einem attraktiven und erfolgreichen Biotech-Standort zu machen. Die jüngsten Ankündigungen von internationalen Pharmakonzernen, geplante Milliarden-Investitionen in den deutschen Standort als Reaktion auf das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz zurückzufahren, sprechen für sich.”

Neues Positionspapier mit konkreten Reformvorschlägen

Im aktualisierten Positionspapier von BIO Deutschland formuliert der Verband eine Reihe konkreter Vorschläge, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Biotechnologie zu stärken. Zu den zentralen Forderungen zählen Maßnahmen zur Mobilisierung von Venture Capital, die Stärkung des Start-up-Ökosystems, Verbesserungen bei der Projektförderung sowie steuerliche Reformen, die Investitionen in innovative Wachstumsunternehmen erleichtern sollen. Darüber hinaus plädiert der Verband für Anpassungen auf europäischer Ebene, um regulatorische Hürden abzubauen und den Zugang zu Kapital zu verbessern.

Dr. Holger Reithinger (BIO Deutschland), Klaus Ort (EY-Parthenon), Roland Sackers (BIO Deutschland) und Dr. Achim Plum (HTGF) (v.l.n.r.) disktuieren zur Lage der Biotech-Branche (c) VC Magazin
Dr. Holger Reithinger (BIO Deutschland), Klaus Ort (EY-Parthenon), Roland Sackers (BIO Deutschland) und Dr. Achim Plum (HTGF) (v.l.n.r.) disktuieren zur Lage der Biotech-Branche (c) VC Magazin

Die Diskussionen auf dem Finanz-Gipfel machten deutlich, dass die Branche die kommenden Monate als entscheidend betrachtet. Zwar werden die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit deutscher Biotech-Unternehmen und die Qualität der Forschungslandschaft weiterhin als große Stärken angesehen. Ohne bessere finanzpolitische Rahmenbedingungen drohe jedoch, dass Wertschöpfung, geistiges Eigentum und spätere Wachstumsphasen zunehmend ins Ausland verlagert werden.

Austauschplattform für CFOs und Investoren

Der Biotech Finanz-Gipfel gilt seit 2007 als zentrale Austauschplattform für Finanzverantwortliche der Branche. Nach zweijähriger Pause fand die Veranstaltung in diesem Jahr zum 15. Mal statt. Organisiert wird das Format von der Arbeitsgruppe „Finanzen & Steuern“ von BIO Deutschland. Im Fokus stehen traditionell Fragen der Finanzierung, Rechnungslegung, Steuerpolitik sowie aktuelle Entwicklungen an den Kapitalmärkten. Auch in diesem Jahr prägten neben politischen Themen insbesondere Venture-Capital-Märkte, Wachstumsfinanzierungen und die Perspektiven für Börsengänge die Gespräche der Teilnehmer.