Bildnachweis: Drooms/Pitchbook.
Der europäische M&A- und Private-Equity-Markt ist mit deutlich größeren und selektiveren Transaktionen in das Jahr 2026 gestartet. Das zeigt der gemeinsame Report „Executing in an Era of Market Complexities: European M&A and PE Trends and the Technology Imperative“ von Drooms und PitchBook. Nach Jahren hoher Zinsen, geopolitischer Unsicherheiten und zurückhaltender Finanzierungsmärkte verdichten sich die Anzeichen für eine Marktbelebung. Gleichzeitig verläuft die Erholung differenzierter und komplexer als in früheren Zyklen. Grundlage der Analyse sind die wichtigsten europäischen M&A- und Private-Equity-Märkte der vergangenen zehn Jahre.
Laut Report erreichte die Zahl europäischer Private Equity-Transaktionen 2025 mit 8.187 Deals nahezu ein Dekadenhoch. Auch die M&A-Aktivität blieb mit 18.485 Transaktionen auf einem hohen Niveau. Im laufenden Jahr steigen vor allem die Dealgrößen deutlich an: Die durchschnittliche PE-Transaktion liegt 2026 YTD bei 359,7 Mio. EUR nach 289 Mio. EUR im Gesamtjahr 2025. Im M&A-Markt erhöhte sich die durchschnittliche Dealgröße auf 546,3 Mio. EUR und liegt damit nahezu doppelt so hoch wie im Vorjahr. Treiber sind insbesondere großvolumige Technologie-, Infrastruktur- und KI-Transaktionen. Parallel dazu setzen Finanzinvestoren verstärkt auf risikoärmere Add-on-Akquisitionen. Ihr Anteil stieg zuletzt auf mehr als 58 Prozent aller europäischen PE-Deals. „Die Marktstimmung verbessert sich, aber Investoren agieren weiterhin äußerst diszipliniert“, sagt Alexandre Grellier, Co-Gründer und CEO von Drooms. „Wir sehen aktuell keinen flächendeckenden M&A-Boom, sondern einen Markt, in dem Kapital sehr gezielt in hochwertige Assets, strategische Technologien und bestehende Plattformen fließt.“
DACH-Region behauptet Premium-Status
Die DACH-Region zählt weiterhin zu den aktivsten M&A-Märkten Europas. Mit 2.858 Transaktionen belegte sie 2025 Rang zwei hinter Großbritannien mit 4.545 Deals. Neben dem traditionell starken Mittelstand rücken auch großvolumige Transaktionen verstärkt in den Fokus internationaler Investoren. Zu den größten europäischen PE-Exit-Transaktionen des Jahres zählt die Übernahme von STADA Arzneimittel durch CapVest Partners für 7 Mrd. EUR. Zugleich werden in der Region die höchsten Bewertungsmultiples Europas erzielt. Mit medianen M&A-Multiples von bis zu 13,5x EBITDA – insbesondere in technologiegetriebenen Branchen, Software, Industrie- und KI-nahen Geschäftsmodellen – liegt DACH an der Spitze der untersuchten Märkte. Im Vergleich zu stärker global verflochtenen Märkten wie Großbritannien oder Irland bleibt die DACH-Region stärker innerhalb europäischer Kapitalstrukturen verankert. Dies reduziert regulatorische Komplexität bei grenzüberschreitenden Transaktionen und erhöht die Attraktivität für langfristig orientierte Investoren. Die hohen Bewertungen verdeutlichen zugleich die zunehmende Selektivität des Marktes. Kapital konzentriert sich auf Unternehmen mit resilienten Geschäftsmodellen, technologischer Differenzierung und klaren Wertschöpfungsperspektiven. Entsprechend steigen die Anforderungen an Käufer und Berater. „Unter der Oberfläche der großen Mega-Deals zeigt sich ein Markt, der zunehmend von Konsolidierung, Buy-and-Build-Strategien und operativer Komplexität geprägt ist“, sagt Dorothy Chan, Analystin bei PitchBook und Co-Autorin des Reports. „Viele Investoren verfügen weiterhin über erheblichen Dry Powder, investieren aber deutlich selektiver als noch während der Niedrigzinsphase.“
KI und digitale Souveränität prägen das Dealmaking
Als weiterer zentraler Trend identifiziert der Report die wachsende Bedeutung von KI-Infrastruktur, Datensouveränität und regulatorischer Kontrolle. Der Druck steigt, kritische Daten, Cloud-Infrastrukturen und KI-Anwendungen innerhalb europäischer Rechtsräume und technologischer Ökosysteme zu kontrollieren. Dies beeinflusst zunehmend sowohl Investitionsentscheidungen als auch operative Prozesse im Transaktionsgeschäft. „Digitale Souveränität entwickelt sich von einem regulatorischen Thema zu einem operativen Faktor im Transaktionsgeschäft“, erklärt Grellier. „Gerade bei sensiblen Due Diligence Prozessen und KI-gestützten Workflows achten Finanzinvestoren und Strategen stärker darauf, wo Daten verarbeitet werden, welche Plattformen eingesetzt werden und wie regulatorische Anforderungen eingehalten werden können.“ Vor diesem Hintergrund steigen laut Report die Anforderungen an digitale Deal-Infrastrukturen. Datenraum- und Deal-Plattformen müssen heute neben Effizienz und KI-Fähigkeit insbesondere hohe Standards bei Datensicherheit, Compliance und europäischer Datenhoheit erfüllen. Trotz der zunehmenden Marktaktivität bleibt das Umfeld herausfordernd. Sinkende Zinsen, hoher Investitionsdruck und KI-getriebene Wachstumsfantasien sorgen zwar für neue Dynamik. Gleichzeitig bleiben geopolitische Unsicherheiten, Finanzierungskosten und regulatorische Anforderungen prägende Faktoren für Investoren und Unternehmen.



