„Unser­ Credo­ lautet: klare­ Kapitaldisziplin und langfristige Wertschaffung“

Interview mit Jonas Jarosch, Quantum Systems

Jonas Jarosch, Quantum Systems
Jonas Jarosch, Quantum Systems

Bildnachweis: Quantum Systems.

Vom Drohnenpionier zum­ Defencetech-Unternehmen: Quantum Systems hat sich in nur elf Jahren zu einem international agierenden Anbieter für autonome Systeme, Software und KI entwickelt. Mit einer ­Milliardenfinanzierung im Rücken steht die nächste Wachstumsphase bevor. CFO Jonas Jarosch im Gespräch über Skalierung, neue Märkte und die Zukunft intelligenter Verteidigungstechnologien.

VC Magazin: Was waren die größten Herausforderungen der Anfangsjahre: Finanzierung, Technologieentwicklung oder die Überzeugung erster Kunden?

Jarosch: Wie die meisten Deeptech-Unternehmen standen wir gleichzeitig vor allen drei genannten Herausforderungen. Der Aufbau zuverlässiger Systeme in der Luftfahrt dauert aufgrund der besonders hohen Qualitätsansprüche Jahre, nicht Monate. Gleichzeitig waren wir in einem Markt tätig, der sich noch in der Entstehungsphase befand. Vielen Marktteilnehmern und auch Kunden war damals noch nicht bewusst, wie bahnbrechend unbemannte Systeme einmal werden würden. Vor 2022 war der Markt weitgehend zivil geprägt. Die militärische Nachfrage, die wir heute sehen, existierte damals nicht. Zudem fehlten europäische Investoren, die den Wert dieser Technologie erkannten. Wir mussten beweisen, dass unsere Technologie reale Probleme lösen und messbaren Mehrwert schaffen konnte. Was heute wie ein schneller Aufstieg erscheint, ist in Wirklichkeit das Ergebnis von mehr als einem Jahrzehnt Entwicklung, Innovationen sowie des kontinuierlichen Lernens mit und von unseren Kunden.

VC Magazin: Welche Meilensteine haben das Unternehmen am stärksten verändert – die ersten Großkunden, der Ukraineeinsatz oder die internationalen Finanzierungsrunden?

Jarosch: Es waren keine isolierten Meilensteine. Entscheidend war die Abfolge: Kundenzugang, operativer Nachweis, skalierbare Kapitalbasis. Die ersten Großkunden haben gezeigt, dass es für unsere verfügbare Technologie einen belastbaren Markt gibt. Der Einsatz in der Ukraine hat daraus einen operativen Nachweis unter realen Bedingungen gemacht. Seit März 2022 erhalten wir direktes Feedback aus dem Einsatz an der Front. Das hat unsere Entwicklungszyklen verkürzt, unsere Produktqualität erhöht und unsere Fähigkeiten gestärkt. Der zentrale Schritt war die Lokalisierung vor Ort. Wir haben gelernt, dass Defencetech nur skalieren kann, wenn Produktentwicklung, Training, Support, Wartung und Produktion eng miteinander verbunden sind. Dadurch ist Quantum Systems von einem Technologieanbieter zu einem operativen Partner geworden, der Fähigkeit nicht nur liefert, sondern auch im Einsatz kontinuierlich am Kundenbedarf weiterentwickelt. Die Finanzierungsrunden haben diese operative Relevanz in Skalierungsfähigkeit übersetzt. Die Series C hat uns in die Lage versetzt, Expansion und M&A zu beschleunigen. Die Series D gibt uns nun die Kapitalbasis, um weiter M&A, Produktion, Software und KI gezielt auszubauen. Für uns ergibt sich jetzt als nächster logischer Schritt, aus bewährten Plattformen ein softwaredefiniertes Multi Domain-Systemunternehmen, also über Luft, Land und See hinweg, zu etablieren. Dabei werden wir weiterhin unserem Credo klarer Kapitaldisziplin und langfristiger Wertschaffung folgen.

VC Magazin: Was hat Investoren in den verschiedenen Phasen am meisten überzeugt: das Team, die Technologie oder die Marktchance?

Jarosch: Frühe Investoren haben vor allem unser Team und unsere Vision unterstützt. Mit unserem Wachstum verlagerte sich der der Fokus hinsichtlich qualitativer Aspekte unserer Positionierung zunehmend auf unsere Fähigkeit, relevante und qualitativ hochwertige Lösungen zu entwickeln, Kunden zu gewinnen und international zu expandieren. Dazu fokussieren Investoren heute deutlich stärker quantitative Aspekte unserer Geschäftsentwicklung – ein attraktives Finanzprofil mit stabilem Umsatzwachstum und nachhaltigen Margen ist für viele unserer Investoren ein essenzielles Investitionskriterium. Investoren haben erkannt, dass der Sicherheits- und Verteidigungsmarkt einen strukturellen Wandel durchläuft. Regierungen erhöhen ihre Verteidigungsausgaben, Beschaffungsprozesse beschleunigen sich, und unbemannte Systeme entwickeln sich zu einem wesentlichen Bestandteil moderner militärischer Fähigkeiten. Aus Investorensicht ist dabei wichtig, dass die Produkte sowie die Beschaffungs- und Produktionsprozesse nicht nur diesen Wandel adressieren, sondern auch aktiv dazu beitragen können. Unsere Rolle als führender ausländischer Lieferant unbemannter Systeme in der Ukraine und unsere starke Einsatzstatistik belegen dies für Quantum Systems. Darüber hinaus differenziert uns die Kombination aus Wachstum und Profitabilität klar von vielen unserer Wettbewerber.

VC Magazin: Quantum Systems ist heute nicht mehr nur ein Drohnenhersteller, sondern ein strategisches Defencetech-Unternehmen. Wie könnte ein Exit-Szenario für Gründer und Investoren aussehen?

Jarosch: Die eigentliche Frage ist, welche Art von Unternehmen Europa in der Verteidigungstechnologie hervorbringen will. Bei Quantum Systems streben wir danach, ein dauerhaft global relevantes Defence-Neo-Prime zu etablieren. Unser Fokus liegt auf operativer Fähigkeit, technologischer Tiefe und industrieller Skalierung. Wenn Europa in diesem Bereich souveräner werden will, braucht es Unternehmen, die groß genug denken, schnell genug liefern und langfristig Verantwortung übernehmen. Genau darin liegt die Chance: ein europäisches Defence Neo-Prime aufzubauen, das für Gründer, Investoren, Kunden und Europa nachhaltig Wert schafft.

VC Magazin: Wie hat sich die Kommunikation zu den unterschiedlichen – inzwischen größtenteils internationalen – Investoren verändert, seit Quantum Systems im Mrd.-EUR-Bereich bewertet ist?

Jarosch: In den Anfangsjahren von Quantum Systems haben Investoren insbesondere in den Optionswert investiert – dementsprechend drehten sich die Gespräche mit Investoren insbesondere um Visionen, Marktpotenzial und Wachstumspotenzial. Die zentralen Fragen waren: Wie groß kann Quantum Systems werden, und welches Potenzial steckt in Markt, Technologie und neuen Anwendungsfeldern? Heute, mit einer Bewertung im Mrd.-EUR-Bereich, rücken der Fundamentalwert und dessen Treiber deutlich stärker in den Fokus. Entsprechend diskutieren wir viel intensiver über Kennzahlen wie Umsatz-, Margen- und Cashflow-Entwicklung sowie Qualität und Visibilität von Backlog und Pipeline. Ebenso wichtig sind Themen wie Kapitalallokation, Skalierbarkeit der Organisation und die Fähigkeit, profitables Wachstum langfristig zu sichern. Es geht darum, zu zeigen, dass wir nicht nur in einem attraktiven Markt aktiv sind, sondern auch die operativen und finanziellen Voraussetzungen schaffen, um daraus dauerhaft Wert zu generieren.

VC Magazin: Was sind die nächsten Meilensteine, wo sehen Sie das Unternehmen in fünf bis zehn Jahren?

Jarosch: In der nächsten Phase geht es um Skalierung und Expansion. Wir wachsen weiterhin international, bauen unsere Produktionskapazitäten aus und haben unser Tätigkeitsfeld über den Luftbereich hinaus auf Land- und Seesysteme erweitert. Gleichzeitig investieren wir weiter in Software, KI und domänenübergreifende Integration, weil in der Kombination aller Bereiche und Fähigkeiten der zukünftige Mehrwert entstehen wird. Das frische Kapital aus der Series D und das Vertrauen unserer Investoren erlauben uns, selbstbewusst und kraftvoll diese Phase anzugehen. Wir werden Produktionskapazitäten ausbauen, Lieferketten robuster aufstellen, die Auslieferung in verbündeten Märkten skalieren und MOSAIC UXS als verbindende Software-Ebene für autonome Systeme weiterentwickeln. Wenn man fünf bis zehn Jahre in die Zukunft blickt, werden unbemannte Systeme für Verteidigung und Sicherheit ebenso grundlegend sein wie historisch bemannte Panzer und Kampfflugzeuge. Die zukünftige Kriegsführung wird zunehmend unbemannt sein. Unser Ziel ist es, als Marktführer diese Zukunft aktiv zu gestalten. Dabei fühlen wir uns klar den Werten demokratischer Gesellschaften und der Stärkung europäischer Souveränität verpflichtet. Darüber hinaus werden wir die technologischen Fähigkeiten, die wir im Rüstungsbereich entwickeln, zunehmend auch für zivile Anwendungen nutzbar machen – beispielsweise in den Bereichen Grenzschutz, kritische Infrastruktur, öffentliche Sicherheit, Katastrophenschutz oder industrielle Inspektionen.

VC Magazin: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Über den Interviewpartner:

Jonas Jarosch ist Chief Financial Officer bei ­Quantum Systems und verantwortet die Finanzen seit 2024.