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Die 14. Netzwerktagung des Eigenkapitalgebers VR Equitypartner (VREP) stand
ganz im Zeichen der Wahlnachlese nach den drei Landtagswahlen in Deutschland
sowie einer Bestandsaufnahme der hiesigen Wirtschaft. Dabei zeigte sich das Top-Management des Mittelstandsfinanzierers zuversichtlich, dass die Probleme – trotz vieler Widerstände – lösbar sind. Man dürfe nicht vergessen, dass die deutsche Wirtschaft viel Substanz habe und es gute Voraussetzungen gebe, die Transformation zu managen, sagte VREP-Geschäftsführer Christian Futterlieb auf dem Treffen in Frankfurt. Dabei könne auch die Künstliche Intelligenz (KI) helfen. Diese werde gerade im Bereich der Automatisierung und Robotik die Agenda in den kommenden fünf Jahren bestimmen und Potenziale für die starke industrielle Basis in Deutschland bieten. Kleine, innovative Teams des Mittelstands seien in der Lage, die Herausforderungen zu meistern. Man dürfe den Grundoptimismus nicht verlieren, sagte Peter Sachse, der ebenfalls Geschäftsführer bei VREP ist.
Fünf Mezzanine-Finanzierungen und drei Direktbeteiligungen

Die Tagung am Frankfurter Flughafen stand unter dem Motto „Spitze bleiben. Ökonomische Realitäten und strategische Optionen für den deutschen Mittelstand.“ In den vergangenen zwölf Monaten hat VREP insgesamt fünf Mezzanine-Finanzierungen und drei Direktbeteiligungen getätigt, man könne einige Leuchtturmprojekte vorweisen, so die Bilanz der Geschäftsführung. Zu den Transaktionen zählten u.a. Leitner Reisen (Tourismus), Consilio (IT/Beratung), Kaske Group (Pharma-Marketing) und easy2cool (Nachhaltige Verpackung/Logistik). Im Private-Equity-Bereich sei der Dealflow insgesamt geringer geworden, das Umfeld bleibe kompetitiv, so Sachse. Das gesamte Investitionsvolumen bei VREP beträgt rund 450 Millionen Euro. Beim Thema Mezzanine zeichne sich eine Renaissance ab, weil die Banken deutlich risikoaverser geworden seien und die Zinsen gestiegen sind. Das ergebe neue Chancen für eigenkapitalähnliche Produkte, so die Geschäftsführer.
Kaske Group: Wachstum durch Wandel
Wie ein solcher Wandel in der Praxis aussehen kann, zeigte die Vorstellung des neuen Portfolio-Unternehmens Kaske Group. CEO Fabian Kaske und Head of Agency Julia Hahn erläuterten die Entwicklung des Unternehmens von einer klassischen Agentur für Pharmaunternehmen mit Schwerpunkt auf Print hin zu einer datengetriebenen Healthcare-Plattform. Heute entfallen rund 80% des Geschäfts auf digitale Angebote, wobei auch KI eine zunehmend wichtige Rolle spielt. Die Kaske Group will Pharmaunternehmen dabei unterstützen, als Gewinner aus der digitalen Transformation hervorzugehen.
Vom Content zur Ergebnisorientierung
Mit der zunehmenden Digitalisierung verschiebt sich nach Darstellung der Kaske Group auch der Fokus: Content zu produzieren werde immer einfacher, entscheidender seien daher dessen Qualität und das konkrete Ergebnis. Um relevante Themen frühzeitig zu erkennen, analysiert das Unternehmen wiederkehrende Fragestellungen aus der Branche und entwickelt daraus eigene Studien. Ein Beispiel war die Untersuchung, wie Amazon den Pharmamarkt verändert. Die daraus entstandene Aufmerksamkeit in der Presse mündete unter anderem in eine Titelgeschichte im Handelsblatt. Das übergeordnete Ziel lautet: Wachstum durch Wandel.
Internationale Risiken und strukturelle Probleme
Sonja Marten, Chefvolkswirtin der DZ Bank, skizzierte in ihrem Ausblick auf Konjunktur und Kapitalmärkte die Risiken auf internationaler Ebene und sieht in einer Beendigung des Iran-Kriegs die wichtigste Voraussetzung für einen dauerhaften, dynamischen Aufschwung. Wenn die Straße von Hormus in sechs Monaten immer noch geschlossen sei, dann gebe es in der Energieversorgung irgendwann auch erste Knappheitsprobleme. In Deutschland müssten die Reformen kommen, sonst würden die Effekte der Sondervermögen verpuffen. Das Gros der deutschen Konjunkturschwäche sei strukturell bedingt. Die Industrieproduktion sei seit 2018 rückläufig, diesen Trend könne man verlangsamen, aber nicht umkehren, auch wegen der hohen Strompreise. Trotz der gestiegenen Risiken – darunter wachsender Zweifel an der Schuldentragfähigkeit der USA – sieht Marten noch Spielraum für Kursgewinne an den Börsen. Den Dax sieht die DZ Bank Mitte des kommenden Jahres bei 27 500 Punkten – aktuell sind es rund 25 300 Zähler.
Politische Herausforderungen im Fokus
Beim Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke überwogen bei der Analyse der politischen Rahmenbedingungen eher die Moll-Töne. Nach den drei „krachenden Niederlagen“ der CDU in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin komme es jetzt darauf an, den Trend in den kommenden Monaten umzukehren. Die Wahlen in Nordrhein-Westfalen im kommenden April würden zeigen, ob Bundeskanzler Friedrich Merz den Turnaround geschafft hat. Die AfD sei mit rund 45 Prozent der Wählerstimmen im Osten die „einzig noch verbliebene Volkspartei“. Die Frage sei jetzt, ob der Trend im Westen gestoppt werden kann und ob Deutschland entschiedene strukturelle Reformen hinkriege ohne soziale Schlagseite zu erleiden. Deutschland hole jetzt eine Entwicklung ein, die sich seit 1989 in Europa entfaltet habe, so die Analyse von Lucke. In Italien, den Niederlanden und in Frankreich hätten Populisten bestehende Strukturen zerstört oder in Frage gestellt. Jetzt müsse Deutschland zeigen, dass es stark genug ist, um die eigenen Grundlagen zu verteidigen, dazu zählten soziale Sicherheit, Frieden und Demokratie.
Europa muss geschlossen auftreten
Mit Blick auf die Zölle der USA und die chinesische Außenwirtschaftspolitik ging Moritz Schularick, Präsident des IfW Kiel, der Frage nach, wie man zwischen zwei Supermächten agieren könne. Seine Antwort war eindeutig – ein geeintes Auftreten der EU sei der einzige Weg, um im Welthandel auf Augenhöhe verhandeln zu können. Mit einem Hinweis aus dem Sport zeigte er auf, was dann möglich ist. So hätten die EU-Länder bei der Olympiade in Paris insgesamt 97 Goldmedaillen geholt, die USA und China dagegen nur jeweils 40. Schularick sieht auch bei den Verteidigungsausgaben der EU noch enormes Potenzial für Effizienzgewinne. So gebe es bei U-Booten in den USA gerade einmal vier Typen, innerhalb der EU aber 16 Typen. Europa erreiche 60 Prozent der US-Verteidigungsausgaben, sei aber „grotesk ineffizient“, weil man alles 27mal im Alleingang mache.
Politische Anekdoten gegen das Mittagstief

Für eine Auflockerung sorgte Fabian Köster, der seine Schlagfertigkeit auch live unter Beweis stellte. Mit seinen Video-Anekdoten aus der Politikwelt gewann er der aktuellen Situation einige komische Aspekte ab. Die Stimmung im Saal war entsprechend heiter und sorgte für einen unterhaltsamen Einstieg nach der Mittagspause.
Vernetzung gewinnt an Bedeutung
Neben den Fach- und Impulsvorträgen ist das Networking ein wichtiger Bestandteil
der VREP-Netzwerktagung und hat in den vergangenen Jahren weiter an Bedeutung
gewonnen. Beim Networking-Lunch konnten sich die Teilnehmer sowohl frei austauschen als auch gezielt vernetzen. Bereits im Vorfeld bestand die Möglichkeit, einzelne Gesprächsslots mit anderen Teilnehmern zu buchen, was rege genutzt wurde.
Austausch über Branchengrenzen hinweg
Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur die Vernetzung der Portfoliounternehmen untereinander. Auch der Austausch mit Beratern und Volksbanken bot Gelegenheit, Erfahrungen zu teilen, mögliche Kooperationen auszuloten und neue Kontakte zu knüpfen. Damit wurde das Netzwerk über die einzelnen Beteiligungen und Finanzierungen hinaus als Plattform für den gegenseitigen Austausch genutzt.




