Interview mit Albrecht Deißner, KfW, und Jörg Binnenbrücker, Capnamic Ventures

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Hat ein Start-up einen oder mehrere Venture Capital-Investoren gewinnen können, geht die Arbeit erst los. Denn jetzt geht es darum, das Unternehmen zu entwickeln und möglichst schnell zu wachsen. Dafür benötigen die Gründer allerdings nicht nur Kapital, auch das Know-how und das Netzwerk der Investoren hilft ihnen bei der Expansion. Die Förderbank KfW (www.kfw.de) und der Multi Corporate Fund Capnamic Ventures (www.capnamic.de) haben gemeinsam bereits sechs Investments getätigt, darunter das Re-Commerce-Start-up Rebuy (www.rebuy.de), der Tierbedarf-Online-Shop ZooRoyal und der Lieferdienst Lieferando (www.lieferando.de), und wissen, wie schnell sich gerade Digitalunternehmen entwickeln müssen. Im Interview erklären KfW-Direktor Albrecht Deißner und Capnamic-Partner Jörg Binnenbrücker, wie sie das Wachstum ihrer Portfoliounternehmen unterstützen und was sie tun, wenn ein Start-up hinter den Zielen zurückbleibt.

VC Magazin: Die KfW als öffentlicher und Capnamic als privater Venture Capital-Geber sind zusammen bereits einige Investments eingegangen. Wie kommt der gemeinsame Dealflow zustande?

Jörg Binnenbrücker, Capnamic VenturesBinnenbrücker: Wir investieren schon seit etwa fünf Jahren zusammen, da bestehen mittlerweile natürlich schon enge Beziehungen zu den Investmentmanagern der KfW. Wenn wir interessante Kandidaten sehen, melden wir uns meist recht schnell bei der KfW. Wir sind ohnehin in regem Austausch wegen unserer bestehenden Portfoliounternehmen, da läuft auch der Austausch über mögliche Deals ganz unkompliziert ab.

VC Magazin: Herr Binnenbrücker, wie gut läuft die Zusammenarbeit mit der KfW? Ist die Staatsbank genauso schnell und flexibel wie ein privater Investor?

Binnenbrücker: Die KfW ist gelegentlich sogar mehr auf Zack als Kollegen aus dem privaten Sektor! Als langjähriger Partner und Lead-Investor bei gemeinsamen Beteiligungen wissen wir natürlich, welche Prozesse ein Investment in der KfW durchlaufen muss, um grünes Licht zu erhalten. Darauf stellen wir uns ein und bereiten die Unterlagen gemeinsam mit den Start-ups entsprechend vor. So können wir formale Fehler im Antrag vermeiden und den Prozess beschleunigen. Da die Unternehmen, in die wir investieren wollen, häufig unter Zeitdruck stehen und relativ schnell eine Finanzierung brauchen, stellen wir den Antrag bei der KfW zudem so früh wie möglich. Teilweise tritt die KfW auch zu einem späteren Zeitpunkt der Beteiligungsvereinbarung bei. Wir haben da mittlerweile ein echtes Vertrauensverhältnis aufgebaut.
Albrecht Deißner, KfWDeißner: Wichtige Entscheidungen bereiten wir intern parallel zu den laufenden Verhandlungen vor, sodass wir zeitnah handlungsfähig sind. Entscheidend ist dabei natürlich, dass wir rechtzeitig wesentliche Informationen erhalten, um entsprechend agieren zu können. Das hat sich das Verfahren bereits eingespielt und bewährt.

VC Magazin: Capnamic Ventures ist auf den Bereich digitale Medien spezialisiert. Gerade in diesem Sektor müssen sich Unternehmen sehr schnell entwickeln. Welche Rolle spielt das Unternehmenswachstum in Ihren Milestones?

Binnenbrücker: Gerade in Bereichen wie E-Commerce und Gaming müssen Start-ups schnell Geschwindigkeit aufnehmen und Marktanteile gewinnen, da die Markteintrittsbarrieren für andere oft niedrig liegen. Für ein Unternehmen, das sich für eine Venture Capital-Finanzierung eignet, gilt das noch mehr. Meilensteine können ein Baustein bei der Strukturierung der Finanzierungsrunde sein. Wenn wir Auszahlungen an Meilensteine knüpfen, sind dies in den meisten Fällen zeitliche Bezugspunkte, in einzelnen Fällen auch operative Ziele. Die Herausforderung bei der Festlegung von Meilensteinen besteht darin, die richtigen Anreize zu setzen und die jungen Unternehmen nicht in ihren Freiheitsgraden zu beschränken. Wir versuchen stets, die geplanten Wachstumsschritte in den Milestones abzubilden und gleichzeitig die nötige Flexibilität zu bewahren die Start-ups brauchen. Im Ergebnis sind die Regelungen immer auf den einzelnen Case angepasst.
Deißner: Natürlich kann man am Anfang der Beteiligung nie wissen, wie sich das Geschäft des Unternehmens entwickelt. Der Investor geht hier stark in finanzielle Vorleistung, deshalb bringt er eine gewisse Erwartungshaltung mit, die das Unternehmen wiederum erfüllen muss. Dabei gilt es, einen Ausgleich zwischen den Interessen der Investoren und Gründer, also zwischen Mittelkontrolle und höchstmöglichem Freiheitsgrad beim Mitteleinsatz, zu finden.