Interview mit Albrecht Deißner, KfW, und Jörg Binnenbrücker, Capnamic Ventures

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VC-Magazin: Können Sie ein Beispiel benennen, bei dem Sie gemeinsam eine Anschlussfinanzierung gestemmt haben?

Binnenbrücker: Rebuy war so ein Fall. Da kamen in einer späteren Runde Hasso Plattner Ventures dazu, bei der nächsten Runde dann auch noch Iris Capital.

VC Magazin: Wie hat sich der Markt für ReBuy nach dem Markteintritt von Amazon verändert? Wo sehen Sie Wachstumsperspektiven?

Binnenbrücker: Amazon ist im Re-Commerce ja nun schon länger aktiv, Rebuy nutzt Amazon mittlerweile sogar als Abverkaufskanal. Der Markt an sich wächst enorm und hat riesiges Potenzial. Rebuy lässt Amazon deshalb gerne gewähren und den Markt weiter ankurbeln. Davon profitieren wir am Ende ja auch. Rebuy ist bislang „nur“ in Deutschland und Österreich tätig, das schreit geradezu nach Internationalisierung. Außerdem sind weitere Produktkategorien geplant.

VC-Magazin: Ist Amazon ein möglicher Käufer für Rebuy?

Binnenbrücker: Es gibt viele mögliche Käufer. Als E-Commerce-Gigant gehört Amazon bei so einem Geschäftsmodell eigentlich immer auf die Liste möglicher Erwerber.

VC Magazin: Ein weiteres gemeinsames Investment von Ihnen ist ZooRoyal. Als die KfW im vergangenen Frühjahr eingestiegen ist, hieß es, man wolle international expandieren. Was hat sich seither getan?

Deißner: ZooRoyal hat vor Kurzem den Versand nach Österreich begonnen. Da die Firma in Aachen sitzt, ist es ein logischer Schritt, als Nächstes die Beneluxländer anzusteuern. Im deutschen Markt selbst ist der Marktführer im Online-Bereich Zooplus. Das Unternehmen ist mittlerweile fast zum Corporate angewachsen – das bedeutet, es ist nicht mehr so flexibel wie ein Start-up. Das ist ein Vorteil für ZooRoyal. In Anbetracht des wachsenden Online-Markts für Tierfutter und Tierbedarf sind wir optimistisch, dass ZooRoyal weiter Marktanteile gewinnen kann.

VC Magazin: Wie offen sind Ihre Corporate-Investoren für die Zusammenarbeit mit Start-ups?

Binnenbrücker: Natürlich hängt das immer vom Einzelfall ab. Aber unsere Investoren haben sich ja bei Capnamic engagiert, um genau diesen Kontakt zu den Start-ups zu bekommen. Und unseren Portfoliounternehmen öffnen sich durch unsere Vermittlung Türen, die anderen verschlossen bleiben. Ein prominentes Beispiel ist Plista: Als das Unternehmen Kontakt zu uns aufnahm, hatte es noch keinen einzigen Kunden. Über DuMont Venture haben wir damals DuMont Schauberg als Referenzkunden vermittelt – von da an begann der Siegeszug von Plista.

VC Magazin: Danke für das Gespräch.

Zu den Gesprächspartnern:

Jörg Binnenbrücker ist Managing Partner und Initiator von Capnamic Ventures. Der Multi Company Fund investiert in Start-ups aus dem digitalen Sektor. Zu den Investoren zählen u.a. die Mediengruppe M. DuMont Schauberg, Universal Music, Gauselmann und die Rheinische Post.
Albrecht Deißner ist Direktor Beteiligungsfinanzierung bei der KfW. Die KfW fördert Unternehmensgründer mit einer Reihe von Programmen und investiert aus dem ERP-Startfonds nach dem Pari-passu-Prinzip zusammen mit privaten Co-Investoren in Start-ups