Größe hat entscheidende Vorteile

Kommentar

Christoph Büth, NRW.Bank
Christoph Büth, NRW.Bank

Bildnachweis: © NRW.Bank.

Bei Investitionsstrategien von Eigenkapitalinvestoren verstärkt sich ein Trend: die Buy and Build-Strategie. Dabei setzen Unternehmen nicht auf organisches Wachstum aus eigener Kraft, sondern auf den Erwerb einer Plattformfirma mit bereits etablierten Fähigkeiten und bauen diese anschließend mit einem stetigen Fluss an Zukäufen aus.

Dass diese Strategie insbesondere Investoren überdurchschnittlichen Erfolg beschert, belegte eine Studie der BCG: Bei diesen Beteiligungen ergibt sich ein Return on Investment von 31,6%, verglichen mit 23,1% bei einer klassischen Deal-Strategie. Aus Investorensicht folgerichtig steigt auch der Anteil von Private Equity-Deals mit Zukaufsperspektive stetig an. Investoren verfolgen mit dieser Strategie das Ziel der multiplen Arbitrage, bei dem finanzielle Erfolge ohne grundlegende operative Verbesserungen möglich sind – frei nach dem Motto, dass das größere Ganze mehr wert ist als die Summe seiner Einzelteile.

Skaleneffekte schaffen

Richtig spannend werden Buy and Build-Investments aber dann, wenn der Zusammenschluss echte Skaleneffekte gibt. Werden mehrere kleine oder regional agierende Unternehmen zusammengefügt, so erzielen diese beispielsweise bessere Konditionen im Großeinkauf. Benachbarte Nischen zu verbinden schafft zudem eine umfassendere Produktpalette, die dann auch überregional angeboten werden kann. Mit der gemeinsamen Größe lassen sich außerdem umfangreichere Aufträge annehmen. Zudem sind kombinierte F&E-Aktivitäten günstiger als mehrfache individuelle Entwicklung.

Stärken nicht verlieren

Doch was nützt der schönste Skaleneffekt, wenn beim Zusammenfügen die Stärken der einzelnen Unternehmen verloren gehen? Dieses Risiko ist real, wenn sich beispielsweise in einem regional fragmentierten Markt lokale Champions zusammentun – und durch eine gemeinsame Produktion an der von den Kunden geschätzten Liefergeschwindigkeit einbüßen – oder wenn ein zentral gesteuerter Vertrieb den engen Draht zum Kunden allmählich verliert.

Fazit

Ein Selbstläufer ist eine Buy and Build-Strategie also nicht: Sie ist nur dann von Erfolg gekrönt, wenn wesentliche Parameter stimmen. Am wichtigsten ist dabei ein M&A-erfahrenes Management, das nicht nur den ständigen Transaktionsmodus beherrscht, sondern auch die fortlaufende Post-Merger-Integration – und zwar bei gleichzeitigem Managen und Weiterentwickeln des Tagesgeschäfts. Nur dann ist big auch wirklich beautiful.

Über den Autor:
Christoph Büth ist Bereichsleiter Eigenkapitalfinanzierungen der NRW.Bank