Bayerns Biotech-Branche erreicht Rekord bei Finanzierungen

Gründungshoch trotz herausforderndem Umfeld

Vorstellung des Jahresreport „Biotech in Bavaria - Where champions grow“ in Martinsried: Dr. Julian Dieler (StMWi), Verena Vitz (EY), Dr. Jonas Helma-Smets (Tubulis) und Prof. Ralf Huss (BioM) (v.l.n.r.). © BioM
Vorstellung des Jahresreport „Biotech in Bavaria - Where champions grow“ in Martinsried: Dr. Julian Dieler (StMWi), Verena Vitz (EY), Dr. Jonas Helma-Smets (Tubulis) und Prof. Ralf Huss (BioM) (v.l.n.r.). © BioM

Bildnachweis: BioM.

Die bayerische Biotechnologiebranche hat ihren Wachstumskurs im Jahr 2025 fortgesetzt. Trotz eines herausfordernden internationalen Marktumfelds stieg die Zahl der Unternehmen im Biopharma-Sektor um 1,5 % auf insgesamt 548. Gleichzeitig erreichten die Finanzierungen und Fördermittel mit mehr als 930 Mio. EUR einen neuen Höchststand. Das geht aus dem aktuellen Jahresreport „Biotech in Bavaria 2025/26 – Where champions grow“ hervor, den BioM vorgestellt hat.

Besonders dynamisch entwickelte sich das Gründungsgeschehen: Mit 26 neu gegründeten Start-ups verzeichnete die Branche einen Zuwachs von 62,5 % gegenüber dem Vorjahr. Zusätzlich siedelten sich drei weitere Unternehmen im Freistaat an. Damit setzt sich der positive Trend der vergangenen Jahre fort. Nach zehn Neugründungen im Jahr 2023 und 16 im Jahr 2024 markiert 2025 einen neuen Höchstwert. Auch die Beschäftigung legte zu. Die Zahl der Mitarbeitenden im bayerischen Biopharma-Sektor stieg um 3,5 % auf rund 59.000. Insbesondere größere Biotech-Unternehmen bauten ihre Teams weiter aus.

Finanzierungsvolumen auf Rekordniveau

Bayerische Biotech-Unternehmen warben im vergangenen Jahr mehr als 930 Mio. EUR an Finanzierungsmitteln ein und übertrafen damit den bereits hohen Vorjahreswert. Während die Finanzierungen bundesweit rückläufig waren, konnte Bayern seine Position weiter ausbauen. Seit 2023 hat sich das Finanzierungsvolumen nahezu verdoppelt. Die größte Finanzierungsrunde des Jahres gelang Tubulis mit einer Serie-C-Finanzierung über 344 Mio. EUR. Im April 2026 wurde das Münchner Unternehmen vom US-Pharmakonzern Gilead für bis zu 5 Mrd. USD übernommen. Zu den weiteren größeren Finanzierungen zählten unter anderem ITM mit einer Fremdfinanzierung von bis zu 231 Mio. EUR, Nuclidium mit einer Serie-B-Runde über 84 Mio. EUR sowie Formycon mit einer überzeichneten Unternehmensanleihe über 70 Mio. EUR. Darüber hinaus sicherten sich Immunic 57 Mio. EUR und AMSilk insgesamt 52 Mio. EUR. Im Frühphasenbereich wurden fünf Seed-Finanzierungen mit einem Gesamtvolumen von mehr als 21 Mio. EUR bekannt. Gleichzeitig verdeutlicht die vergleichsweise geringe Zahl größerer Serie-A-Runden, dass die Finanzierung von Wachstumsunternehmen weiterhin eine Herausforderung bleibt.

Robuste klinische Pipeline

Die klinische Entwicklung bayerischer Biotech-Unternehmen bleibt auf hohem Niveau. Insgesamt befinden sich 72 Projekte in der klinischen Entwicklung. Besonders die Zahl der Phase-II-Projekte legte zu, während auch die Anzahl der Phase-I-Programme anstieg. Onkologie bleibt die wichtigste Indikation, zugleich gewinnen Infektionskrankheiten an Bedeutung. Ein wichtiger Meilenstein gelang Bavarian Nordic mit der FDA-Zulassung sowie der europäischen Marktzulassung seines Chikungunya-Impfstoffs. „Die Zahlen belegen eindrucksvoll die Widerstandsfähigkeit und Innovationskraft des bayerischen Biotech-Ökosystems. Besonders erfreulich ist die hohe Zahl an Neugründungen und die kontinuierliche Entwicklung klinischer Projekte. Bayern bietet exzellente Voraussetzungen, um wissenschaftliche Spitzenleistungen in erfolgreiche Unternehmen und neue Therapien zu übersetzen“, sagt Prof. Ralf Huss, Geschäftsführer von BioM.

Milliardeninvestitionen stärken den Standort

Zusätzlichen Rückenwind erhält die Branche durch umfangreiche Investitionen in Forschung und Infrastruktur. Roche investiert in Penzberg mehr als 640 Mio. EUR in den Ausbau seiner Diagnostik- und Sequenzierungskapazitäten und schafft rund 200 neue Arbeitsplätze. Weitere Impulse kommen vom neuen Fraunhofer-Standort für Translationale Medizin und Pharmakologie in Penzberg, der mit knapp 90 Mio. EUR gefördert wird. Zudem wurde für das Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung in Würzburg ein neuer Forschungsbau mit einem Fördervolumen von rund 60 Mio. EUR auf den Weg gebracht. Auch die Max-Planck-Gesellschaft investiert in den Ausbau des Wissenschaftsstandorts Martinsried. Für die erste Bauphase des neuen Biowissenschaftscampus wurden 361 Mio. EUR bewilligt. Der Freistaat Bayern stellt für das Gesamtprojekt bis zu 500 Mio. EUR bereit.

Positive Erwartungen für die kommenden Jahre

Trotz wirtschaftlicher und geopolitischer Unsicherheiten blickt die Branche optimistisch in die Zukunft. Laut einer von BioM durchgeführten Umfrage bewerten 63 % der Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder sehr gut. 82 % erwarten in den kommenden drei bis fünf Jahren eine weitere Verbesserung ihrer Geschäftsentwicklung. Der starke Anstieg bei den Neugründungen, die hohe Finanzierungskraft des Sektors und die kontinuierlichen Investitionen in Forschung und Infrastruktur sprechen für eine anhaltend positive Entwicklung des bayerischen Biotech-Ökosystems. Als entscheidender Faktor gilt jedoch die weitere Stärkung von Frühphasen- und Serie-A-Finanzierungen, um aus den zahlreichen Start-ups die nächsten Wachstumsunternehmen hervorzubringen. Zusätzliche Impulse könnte künftig der geplante europäische Biotech Act liefern.