German Venture and Growth Forum fordert Mobilisierung von 15 Mrd. EUR privatem Wachstumskapital

Neue Initiative aus 24 Venture Capital- und Growth-Investoren

24 Venture Capital- und Growth-Investoren schließen sich im GVGF zusammen (c) GVGF
24 Venture Capital- und Growth-Investoren schließen sich im GVGF zusammen (c) GVGF

Bildnachweis: German Venture and Growth Forum.

24 Venture-Capital- und Wachstumsinvestoren haben das German Venture and Growth Forum (GVGF) gegründet und fordern eine stärkere Aktivierung institutionellen Kapitals für deutsche Wachstumsunternehmen. Im Rahmen der Initiative wurde das „German Venture & Growth Playbook“ vorgestellt, das Wege aufzeigt, wie jährlich rund 15 Mrd. EUR bestehendes privates Kapital für Venture- und Growth-Investitionen mobilisiert werden können.

Der Startschuss für die Initiative fiel im Rahmen der Veranstaltung „Future at the Table“ am Rande der SuperReturn-Konferenz in Berlin. Zu den Gästen zählten Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, der Persönliche Beauftragte des Bundeskanzlers für Investitionen in Deutschland, Martin Blessing, sowie KfW-Chef Stefan Wintels.

Deutschland investiert deutlich weniger Wachstumskapital als die USA

Aus Sicht der Initiatoren besteht in Deutschland eine erhebliche Finanzierungslücke. Während in den USA jährlich rund 0,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Venture- und Growth-Kapital investiert werden, liegt die Quote hierzulande bei weniger als 0,2 Prozent. Daraus ergibt sich nach Berechnungen des Forums ein jährliches Delta von rund 30 Mrd. EUR. Gleichzeitig verwalten deutsche institutionelle Investoren Vermögen von rund 2,8 Bio. EUR. Bereits geringe Allokationen im niedrigen Prozentbereich könnten erhebliche zusätzliche Mittel für innovative Wachstumsunternehmen bereitstellen. „Die Datenlage ist eindeutig: Die wachsende Wirtschaftslücke zwischen den USA und Europa geht zu einem großen Teil auf den Mangel an Wachstumskapital zurück. Unternehmen wie die Magnificent Seven wären ohne VC-Investoren nicht entstanden. Startups entwickeln nicht nur disruptive Technologien, sondern sie bauen Zukunftsindustrien auf. Deutschland hat die Mittel, genau diese Industrien zu finanzieren. Mit dem German Venture and Growth Forum wollen wir mögliche Bedenken abbauen und konkrete Lösungen für eine Neubewertung von Venture Capital aufzeigen“, sagt Technologieinvestor Alexander Kudlich.

Venture Capital als strategische Anlageklasse

Zentrales Anliegen des Forums ist eine Neubewertung von Venture Capital als Anlageklasse durch institutionelle Investoren. Das Playbook verweist auf historische annualisierte Netto-Renditen europäischer Venture- und Wachstumsfonds von rund 14 bis 18 Prozent und hebt zugleich deren Diversifikationseffekt hervor. Aufgrund der vergleichsweise geringen Korrelation zu Aktien- und Anleihemärkten könne Venture Capital einen stabilisierenden Beitrag zur Portfolioallokation leisten. „Venture Capital ist keine Nischenanlageklasse für risikotolerante Spezialisten. Es ist ein bewährtes Instrument für bessere Renditen, stabilere Portfolios und langfristigen wirtschaftlichen Mehrwert“, sagt Christian Miele, General Partner bei Headline. „Für dieses Argument stehen wir seit Jahren. Jetzt bestätigen es die Daten, die politischen Rahmenbedingungen stimmen, und institutionelle Investoren sind bereit zuzuhören. Ich bin überzeugt: Wir stehen kurz davor, den gordischen Knoten zu durchschlagen – und wenn uns das gelingt, wird Deutschland davon profitieren.“

Kapital als Schlüssel für die nächste Generation von Technologieführern

Die Initiatoren sehen insbesondere im Bereich Deep Tech, Künstliche Intelligenz, Robotik, Quantentechnologie, Energie, Verteidigung und Raumfahrt erhebliches Potenzial für neue europäische Marktführer. Entscheidend sei jedoch die Verfügbarkeit ausreichenden Wachstumskapitals. „Wir haben eine starke Generation an Gründern und eine hohe Dichte an Technologieunternehmen. Diese haben das Potential den Wachstumsmotor für Deutschland anzukurbeln und Zukunftsindustrien in Bereichen wie AI, Fusionsenergie, Robotics, Quantentechnologie oder auch im Verteidigungs- und Space-Sektor aufzubauen. Dazu müssen wir diese Unternehmen mit den entsprechenden Ressourcen skalieren“, sagt Christian Nagel, Mitgründer und Partner bei Earlybird. Auch Benedikt von Schoeler, Mitgründer und General Partner bei Vsquared Ventures, verweist auf die besondere Stärke Deutschlands im Deep-Tech-Bereich: „Deutschland war immer dann besonders stark, wenn industrielle Exzellenz auf technologischen Fortschritt getroffen ist. Genau darin liegt die Chance, vor allem im Bereich Deep Tech.“

Leitfaden für institutionelle Investoren

Das „German Venture & Growth Playbook“ richtet sich insbesondere an Pensionskassen, Versicherungen, Versorgungswerke und Stiftungen. Es beschreibt drei mögliche Zugangswege zur Anlageklasse: Investitionen in Einzelfonds, Dachfonds sowie Co-Investments. Nach Ansicht der Initiatoren kann die Mobilisierung privaten Kapitals einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung der nächsten Gründerzeit leisten – ohne staatliche Sondervermögen oder Garantien und bei marktkonformen Renditeerwartungen. „Unser Land hat das Kapital. Es muss jedoch produktiv angelegt werden“, betont Martin Blessing, Persönlicher Beauftragter des Bundeskanzlers für Investitionen in Deutschland. „Und deswegen ist es notwendig, dass Institutionelle Anleger in Deutschland mehr in Venture Capital investieren. Nur so können wir die nächste Generation von Global Champions aufbauen.“ Mit dem German Venture and Growth Forum erhält die Venture-Capital-Branche damit erstmals eine gemeinsame Plattform, um den Dialog zwischen Investoren, Politik und institutionellen Kapitalgebern zu intensivieren und mehr inländisches Kapital für deutsche Technologieunternehmen zu mobilisieren.