
Bildnachweis: chargeIQ, TRACES Universität Stuttgart, TTI.
Wenn es in Deutschland um Elektromobilität geht, dreht sich die Debatte meist um Fahrzeugmodelle, ihre Reichweiten und den Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur. Dabei lässt sich der Markterfolg auch jenseits der Hardware vorantreiben – mit der effizienteren Integration, Steuerung und Monetarisierung vorhandener Ladepunkte. Genau hier setzt chargeIQ an.
Angesichts steigender Energiepreise und wachsender Flottenelektrifizierung ist für Unternehmen heute nicht mehr nur entscheidend, ob geladen werden kann – sondern auch, wo, wann und zu welchem Preis“, erklärt Co-Gründer Stephan Dengler, der heute als Chief Growth Officer (CGO) die Skalierung des Start-ups vorantreibt. „Ein Großteil der Ladevorgänge findet nicht im öffentlichen Raum statt, sondern am Unternehmensstandort oder im privaten Bereich, wo Strom signifikant günstiger ist. Bisher fehlt jedoch häufig die Abrechnungslösung, um diese vorhandenen nicht öffentlichen Ladepunkte samt ihrer Kostenvorteile effizienter zu nutzen.“ Abhilfe verspricht das modular aufgebaute SaaS-Produkt von chargeIQ. „Unsere digitale Plattform dient als zentraler Store, der – herstellerunabhängig – den Kauf und die Verwaltung aller Services rund um Betrieb und Abrechnung von Ladeinfrastrukturen und das dazugehörige Energiemanagement vereinfacht. Unternehmen erhalten so die Möglichkeit, ihr Ladeverhalten datenbasiert zu analysieren, Tarife zu optimieren und die Total Cost of Ownership ihrer Flotten spürbar zu senken. Damit wird Laden vom operativen Nebenthema zu einem strategischen Hebel.“
Fokus auf Wachstum
Das Konzept kommt an – die Nachfrage steigt kontinuierlich. So konnte die 2020 gegründete Firma mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen ihren Umsatz von 2024 auf 2025 nach eigenen Angaben nahezu verdreifachen. Für das laufende Jahr wird ein ähnlicher Anstieg erwartet. Das Erreichen der Gewinnschwelle ist für Mitte 2027 anvisiert. „Wettbewerber existieren in Amerika, auch im europäischen Ausland. Sie sind aber derzeit kaum relevant, da nationale regulatorische Vorgaben ihren Markteintritt erschweren und unsere Kunden großen Wert auf ein BaFin-konformes Produkt ‚made in Germany‘ sowie lokale Ansprechpartner legen“, so Dengler. Die finanzielle Grundlage bildet bisher ein diversifizierter Mix aus exist-Gründungsstipendium, Landesförderprogrammen (Pre-Seed BW, Start-up BW Pro-Tect), Eigenkapital der beiden Gründer, umfangreichen Forschungskooperationen mit Hochschulen und Beteiligungen durch Business Angels. Im Jahr 2023 schloss sich eine Finanzierungsrunde im mittleren sechsstelligen Bereich an, die überwiegend von privaten Investoren getragen wurde. Anfang 2026 folgte schließlich eine Seed-Finanzierung gemeinsam mit weiteren Business Angels und strategischen Partnern. Diese Mittel sollen insbesondere dazu dienen, die Marktdurchdringung weiter auszubauen.
Skalierbares Software-Produkt
„Der erfolgreiche Werdegang belegt die hohe Managementkompetenz und Resilienz des Teams. Für das Gründungsökosystem Traces an der Universität Stuttgart ist er gleichzeitig ein Beweis für die Stärke des Technologietransfers am Standort: Ausgründungen wie chargeIQ zeigen eindrucksvoll, wie exzellente Forschung durch strukturierte Begleitung in marktfähige Innovationen überführt werden kann“, erklärt Dr. Rubina Zern-Breuer, Leiterin von Traces. Die Technologie-Transfer-Initiative TTI, die chargeIQ initial bei der Bewerbung um das exist-Gründungsstipendium an der Universität Stuttgart unterstützte, ist inzwischen selbst als Investor beteiligt. Ihr Geschäftsführer Dr. Eric Braun ergänzt: „Deutschland befindet sich bei der E-Mobilität noch in der frühen Skalierungsphase im Bestandsmarkt, steht jedoch vor dem strukturellen Durchbruch im Neuwagensegment, der vor allem durch die Wachstumsdynamik im Flottenbereich getrieben wird. Entscheidend ist hierbei die Optimierung der Ladeinfrastruktur, die zunehmend durch Software-Lösungen geprägt wird. Für das skalierbare Produkt von chargeIQ eröffnen sich daraus hervorragende Marktchancen.“


