Interview mit Jürgen Böhm und Jürgen Gallmann, Business Angels, und Dr. Marcus Gulder, BayBG

Business Angels und BayBG ziehen an einem Strang, berichteten Dr. Marcus Gulder, Jürgen Gallmann und Jürgen Böhm (v.l.n.r.) Redaktionsleiterin Susanne Gläser.
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Für die Frühphasenfinanzierung in Deutschland sind sie heute wichtige und etablierte Player: Business Angels sind Investoren, die regelmäßig auch das Risiko eines Investments in sehr junge Unternehmen nicht scheuen. Immer öfter investieren sie zusammen mit Venture Capital-Fonds und haben sich für diese als wichtige Co-Investoren und geschätzte Partner etabliert. Die BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft hat 2012 vier von fünf Unternehmen zusammen mit Angels finanziert, berichtet Dr. Marcus Gulder, der die Venture-Aktivitäten der Gesellschaft leitet. Die Angels Jürgen Böhm und Jürgen Gallmann haben zusammen mit der BayBG in die Start-ups HolidayInsider und evidanza investiert. Über die Vorteile dieser Zusammenarbeit sprachen sie im Interview mit Susanne Gläser.

VC Magazin: Aus welcher Motivation heraus engagieren Sie sich als Business Angel? Wie wichtig ist für Sie ein erfolgreicher Exit?

Gallmann: Beim Verkauf der visionapp habe ich die Erfahrung gemacht, dass es Spaß macht, Unternehmen aufzubauen und an erfolgreichen Veräußerungen maßgeblich mitzuwirken. Ich war jahrelang sehr gerne in der Corporate-Welt zu Hause, dadurch weiß ich aber auch den Gestaltungsspielraum in jungen Unternehmen sehr zu schätzen. Schon während meiner Zeit bei Microsoft habe ich mich für Start-ups begeistert, wir haben seinerzeit die Initiative „unternimm was“ ins Leben gerufen. Ich finde es einfach spannend zu sehen, was wir aus Deutschland heraus entwickeln können.
Böhm: Das Wort „Business Angel“ kann ich eigentlich nicht leiden. Ich bin Unternehmer und habe Spaß daran, Unternehmen zu entwickeln. Ich bin auch kein Engel, der über den Dingen schwebt, sondern knie mich operativ in die Aufgaben hinein. Ich arbeite mindestens einen Tag pro Woche in meinen Beteiligungen mit. Als ich ImmobilienScout24 mit aufgebaut habe, kannte ich übrigens auch das Wort „Exit“ noch nicht. Uns ging es damals darum, die Wohnungssuche angenehmer zu gestalten. Auch bei meinen aktuellen Beteiligungen ist meine Motivation für mein Investment primär die Lösung eines Problems. Beispielsweise haben wir HolidayInsider gegründet, weil bislang Pensionen und Ferienwohnungen im deutschsprachigen Raum online nicht buchbar waren. Wenn sich die Projekte gut entwickeln, macht das einfach Spaß – und dabei ergeben sich dann auch interessante Exit-Möglichkeiten.
Gallmann: Man hat momentan auch nicht besonders viele Möglichkeiten, sein Geld gewinnbringend anzulegen. Aber nur nach einem möglichen Exit zu schielen, funktioniert nicht, davon bin ich überzeugt. Man muss schon den gesamten Weg mit einem jungen Unternehmen gehen. Das macht gerade den Kitzel aus: Wird das wirklich funktionieren? Wenn ein Exit klappt, freut man sich natürlich. Aber auch Ausfälle darf man letztlich nicht scheuen, es kann schließlich nicht immer alles nur gut verlaufen.
Böhm: Als wir ImmobilienScout24 gegründet hatten, gab es nach kurzer Zeit 150 ähnliche Websites. Viele Gründer waren damals aber rein exitgetrieben, sie wollten die Firmen innerhalb weniger Jahre aufziehen und damit schnell ein Vermögen machen. Kein einziges dieser Unternehmen existiert heute noch, denn sie haben die zwischenzeitlichen Stürme nicht überstanden. Das ist aber genau die Herausforderung. Auch Unternehmen wie Google, Microsoft oder Apple, die heute sehr erfolgreich sind, haben etwa zehn Jahre gebraucht, bis sie richtig erfolgreich waren.

VC Magazin: Für welche Geschäftsmodelle interessieren Sie sich? Warum?

Böhm: Mich interessieren Trendbrüche: Bei ImmobilienScout24 war es das Internet 1.0, bei meinen Bewertungsportalen ist das derzeit 2.0, dazu kommt der Umschwung auf Mobile und jetzt auf Social. Immer wenn eine neue Technologie die alte ablöst, tun sich neue Möglichkeiten und Geschäftsideen auf.
Gallmann: Ich setze ebenfalls auf Bereiche, in denen sich Dinge dramatisch verändern. Das kann im Gaming-Bereich genauso sein wie im E-Commerce. Das Geschäftsmodell muss mir einfach gefallen. Beispielsweise entwickelt meine Beteiligung eGym neuartige softwaregesteuerte Fitnessgeräte, die über eine Cloud alle Trainingsdaten erfassen bzw. analysieren und auf das Trainingsziel abgestimmte Trainingsmethoden anbieten.